Leidenschaft Instrumentalunterricht Teil 3

Gut hast du geübt!

Neun Instrumentallehrerinnen und -lehrer erzählen, was ihren Beruf zur Berufung macht. Im dritten Teil berichten Marko Simic, Muammer Kuzey und Martina Silvester.

© gemeinfrei

Musik entfacht Freude beim Lernen und Leidenschaft beim Lehren

Musik entfacht Freude beim Lernen und Leidenschaft beim Lehren

Jedes Musikinstrument ist anders und muss auch anders erlernt werden. Im dritten Teil unserer Serie „Leidenschaft Instrumentalunterricht“ stellen Ihnen Marko Simic (Violoncello), Muammer Kuzey (Saz / Bağlama) und Martina Silvester (Querflöte) den Weg zu ihrem Instrument vor – und berichten, welche Voraussetzungen ihre Schülerinnen und Schüler mitbringen müssen.

Violoncello: Die richtige Bogenhaltung will gelernt sein

Leo-Borchard-Musikschule in
Berlin-Zehlendorf

© Privat

Marko Simic (Violoncello)
Marko Simic (Violoncello)

Ich unterrichte als selbstständiger Cellolehrer an der Leo-Borchard-Musikschule in Steglitz-Zehlendorf, einer der größten Musikschulen Deutschlands. Mit sechs oder sieben Jahren können Kinder langsam mit dem Spiel auf den Viertel-Cello beginnen. Ich ­arbeite dann mit den Cello-Schulen von Gerhard Mantel oder Egon Saßmannshaus mit Kinderstücken, deren Melodie man beim Spielen mitsingen kann.

Wichtig ist für mich eine sehr gute Beziehung zu den Schülern und ihren Eltern. Die Schüler sollen mir vertrauen und sich sicher fühlen. Wenn sie nachmittags zum Unterricht kommen, hatten sie zuvor schon acht Stunden Schulunterricht und sind erst mal müde. Da soll das Cellospiel Spaß machen und nicht zu viel Mühe bereiten. Sechsjährige Schüler haben nur eine Konzen­trationsspanne von maximal einer Minute, die restliche Zeit fülle ich mit kleinen Spielen, rhythmischen Übungen, Singen, Noten lernen oder Geschichten zu den Komponisten und Kompositionen.

Die größte Schwierigkeit für Anfänger ist die Bogenhaltung, um beim Streichen der Saiten einen schönen Ton zu produzieren. Die Übezeiten richten sich nach dem Alter der Schüler. Den jüngeren sage ich, sie sollen lieber kürzer und richtig als länger und unkonzentriert üben. Täglich eine Zeile oder fünf Minuten genügen fürs Erste. Fortgeschrittene Schüler üben längere Abschnitte, wobei es mir sehr wichtig ist, dass sie selbst ein Gespür dafür ent­wickeln, wenn ein Takt oder eine Phrase gerade nicht gut klingt.

Saz / Bağlama: Ein Instrument für alle Menschen

Musikschule Leverkusen

© Privat

Muammer Kuzey (Saz / Bağlama)
Muammer Kuzey (Saz / Bağlama)

Die Bağlama, auch Saz genannt, kommt ursprünglich aus Mittelasien und ist die Weiterentwicklung der vor 1.500 Jahren gespielten kopuz. Sie wird vor allem in der Türkei gespielt. Ich habe mit vierzehn Jahren damit angefangen, nachdem ich das Instrument im Fernsehen gesehen hatte. Mein Vater hat mir dann eine Bağlama aus der Türkei mitgebracht. Erste Erfahrungen habe ich in Köln Nippes im Deutschtürkischen Musik-, Bildungs- und Kultur-Verein gesammelt, den ich heute leite. Professionell spiele ich seit 2008 sowohl als Solist und in Musikgruppen wie Sazofuzz und war zwei Jahre lang Teil des Turkish Chamber Orchestra unter Betin Güneș. Zu dem Zeitpunkt habe ich angefangen, als Musikschullehrer zu arbeiten. Im Rahmen des JeKI-Projekts unterrichte ich auch an Grundschulen.

Bağlama kann man spielen, sobald man das Instrument gut halten kann. Traditionell spielt man türkische Volkslieder darauf, aber ich bringe meinen Schülern auch „Alle meine Entchen“, Weihnachtslieder oder Mozarts „Rondo alla turca“ bei. Theoretisch kann man alle Musikrichtungen und -stile spielen. Deswegen eignet sich die Bağlama auch sehr gut zur Musikvermittlung.

Ich liebe die Arbeit mit Kindern, weil sie vorurteilsfrei an das Instrument herangehen und einfach Spaß an der Musik haben. Das ist bei vielen Eltern anders. Sie möchten nicht, dass ihre Kinder ausschließlich türkische Volkslieder spielen. Dabei geht es in der Musik nicht um Politik! Ein Instrument gehört nicht nur einem Volk, sondern allen Menschen.

Querflöte: Grenzenloses Repertoire

Privatpädagogin in München

© Diane von Schoen

Martina Silvester (Querflöte)
Martina Silvester (Querflöte)

Ich war fast zwölf, als ich mit Querflöte angefangen habe, viele Kinder beginnen aber auch schon früher. Man muss groß genug und die Finger müssen lang genug sein. Bestenfalls sollte man vorher auch schon mal ein anderes Instrument gelernt haben – Blockflöte zum Beispiel. Wenn bereits Grundkenntnisse vorhanden sind und man sich dadurch schon vorher ein bisschen an die Art der Fingerbewegungen und die Atmung gewöhnt hat, macht es gerade am Anfang viel mehr Spaß. 

Wichtig ist auch das regelmäßige, im Idealfall tägliche Üben. Es muss sich Muskulatur aufbauen, die Finger müssen flexibel bleiben. Die dafür nötige Disziplin ist für viele sicher die größte Hürde. Aber wenn man mit anderen zusammenspielt oder das erste Mal Applaus bekommt, weiß man auch, dass es sich lohnt. Und wenn ich sehe, wie sich die Kinder und Jugendlichen in der Musik verlieren und lernen, ihre eigenen Emotionen in Musik auszudrücken, ist das auch für mich als Lehrerin der schönste Moment.

Dem Repertoire der Querflöte sind eigentlich keine Grenzen gesetzt, es reicht quasi vom Barock bis zur Moderne, man kann aber auch Jazz spielen. Allerdings ist es ein Melodieinstrument, das heißt, ohne Begleitung kann Querflöte auf Dauer vielleicht ein bisschen eintönig wirken. Aber es gibt fast überall wunderbare Blas- oder Jugendorchester, man kann sich Kammermusikpartner suchen oder einfach mit anderen Flöten zusammenspielen. Auch da gibt es ganz viele Möglichkeiten.

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