Wagner Special

Richard Wagner: Bücher

Die zehn wichtigsten Buch-Neuerscheinungen im Jubiläumsjahr 2013 über den größten deutschen Opernkomponisten

© gemeinfrei

Richard Wagner

Zahllose neue Bücher über Richard Wagner sind zu seinem 200. Geburtstag, der 2013 gefeiert wird, erschienen. Bücher über sein Leben, sein Werk, seinen Antisemitismus und vieles mehr. Wir stellen die wichtigsten Neuerscheinungen vor.

 

 

Richard Wagner

Werk – Leben – Zeit

Dieter Borchmeyer

404 Seiten

34 Abbildungen

Reclam

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Quintessenz statt Klischees

So kenntnisreich, komplett und konzis, so souverän, fair und eloquent wie Dieter Borchmeyers Buch über „Werk – Leben – Zeit“ ist keine andere Publikation zum Wagner-Jahr geschrieben. Der Literaturwissenschaftler verfasst ein Wagner-Buch, dem man anmerkt, dass er durch die theoretischen Schriften des Gesamtkunstwerkers wirklich in Gänze hindurchgegangen ist. Borchmeyer befragt die Primärquellen und betet keine Klischees herunter. So kann er uns die Quintessenz der theoretischen Schriften des Bayreuthers vermitteln und geschickt in Beziehung zu den Musikdramen setzen, deren Entstehung, Stoff und Musik er profund erklärt. Selbst die Skandalschrift „Das Judentum in der Musik“ betrachtet der Autor differenziert und folgert: „Wagner war zwar Antisemit, aber kein Rassist.“ Borchmeyer zeigt die deutlichen Widersprüche auf zwischen Wagners beißend ausformulierter Judenfeindschaft, dem vertrauten persönlichen Umgang mit seinem jüdischen Freundeskreis und der nicht zuletzt in Wagners Weltabschiedswerk, dem Parsifal, formulierten Friedensvision einer Einheit des Menschengeschlechts jenseits aller Schranken von Rassen und Religionen.

Freispruch für Richard Wagner?

Bernd Weikl
Peter Bendixen

372 Seiten

Leipziger Universitätsverlag

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War Wagner geistiger Ziehvater Hitlers?

Borchmeyers ausgeglichen analytischer Sicht steht der Furor gegenüber, mit dem sich Bernd Weikl gegen eines der folgenreichsten und hartnäckigsten Missverständnisse in der Wagner-Rezeption stemmt, um hier endlich für Aufklärung zu sorgen. Der weltweit gerühmte Wagnersänger fordert gemeinsam mit dem Kulturwissenschaftler und Ökonomen Peter Bendixen, Wagner davon freizusprechen, der geistige Ziehvater Hitlers und Wegbereiter von dessen mörderischen Verbrechen zu sein. In einer fundierten Rekonstruktion der Romantik legen die Autoren dar, dass die subjektivistischen und oft vereinfachend als anti-aufklärerisch beschriebenen Traditionen des 19. Jahrhunderts keineswegs eine Vorstufe des Faschismus darstellen. Wagners Haltung zum Judentum müsse in Zusammenhang mit seiner künstlerischen Philosophie der Reinigung des Menschen durch eine erlösende Wiedergeburt gesehen werden – einer Weltsicht, die kein auserwähltes Volk, aber auch keine Herrenrasse kennen könne. Wagners multiple Persönlichkeit wird dabei ebenso genau beleuchtet wie seine „deutscheste“ Oper, Die Meistersinger von Nürnberg, die Weikl als über Jahrzehnte führender Hans Sachs so gut kennt wie kaum ein anderer Künstler.

Der Magier von Bayreuth

Barry Millington

320 Seiten

Primus Verlag

 

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Facettenreich lebendiges Gesamtbild des Gesamtkunstwerkers

Barry Millington kann sich seinerseits in seinem reich bebilderten, sehr umfassenden und sorgfältig recherchierten Band „Der Magier von Bayreuth“ nicht zu einem Freispruch für Wagner entscheiden, dem er eine historische Verantwortung im Sinne eines ideologischen Kontinuums zuschreibt, das den Komponisten mit den Nazis verbinde. Das Antisemitismus-Kapitel des Chef-Musikkritikers des Londoner Evening Standards mag nicht sein stärkstes sein. Ansonsten entwirft der Brite ein facettenreich lebendiges, wohl strukturiertes Gesamtbild des Gesamtkunstwerkers. Werk- und Wirkungsgeschichte, Wagners Frauen und sein künstlerisches Umfeld werden ebenso behandelt wie die Rezeption seiner Werke während des Dritten Reiches und schließlich die Herausforderungen der Bayreuther Festspiele in der postheroischen Gegenwart und Zukunft.

 

Mythos Wagner

Udo Bermbach

336 Seiten

Rowohlt Berlin

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Der Mythos lebt

Passend zu seinem englischen Kollegen beschließt Udo Bermbach sein Buch „Mythos Wagner“ ebenso mit dem Befund eines Abschieds vom Wagnerkult und einer entzaubernden Versachlichung in der Neu-Bayreuther Werkstatt Wieland und Wolfgang Wagners, durch die aktuelle Arbeit der Urenkelinnen des Meisters drohe Bayreuth gar zur „Normalität“ beliebiger Opernfestspiele zu verkommen. Zuvor spielt Bermbach geschickt beobachtend, enorm kenntnisreich und erhellend mit dem Begriff „Mythos“, der ja bei Wagner nicht nur seine in allen Zeiten gültigen Stoffe aus Nibelungenlied oder Gralslegende meint. Schließlich hat der Meister selbst schon früh Mythenbildung in eigener Sache betrieben. Das fängt mit den gleichsam inszenierten Fotos seiner Person an – Wagner betreibt gekonnt Eigenwerbung. Durch Selbststilisierung und politisches Kalkül avanciert der Revolutionär zum Nationalkünstler. Bayreuth wird zur deutschen Pilgerstätte und Wagner selbst zum Mythos heroisiert, einschließlich der braunen Einfärbung durch seine Erben und die ihn verfälschenden Auguren. Diesen Wagner-Bildern stellt Bermbach den privaten Wagner gegenüber.

Richard Wagner und seine Wirkung

Jens Malte Fischer

318 Seiten

Zsolnay-Verlag


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Antisemitische Argumentationsketten

Während Bermbachs Buch vom echten Wagner-Enthusiasmus seines Autors durchdrungen ist, merkt man Jens Malte Fischer deutlich seinen professoralen Ethos der kritischen Distanzierung an. Als einer der ganz wenigen seriösen Wagner-Exegeten vertritt er in „Richard Wagner und seine Wirkung“ die These, dass Wagners Antisemitismus sich sogar in dessen Werken widerspiegele. Der Nibelungen-Zwerg Mime sei eine Judenpersiflage. Fischer belegt dies u.a. mit Äußerungen Gustav Mahlers, die sich auf die Ring-Aufführungstradition zu Zeiten des großen Wagner-Dirigenten und zum Katholizismus konvertierten Juden beziehen. Im Widerspruch zum Buch von Bernd Weikl und Peter Bendixen behauptet Fischer zudem, dass von den Nazis „nirgends neue Argumentationsketten geschmiedet“ werden mussten, was den Musik-Antisemitismus der Weimarer Republik und des Dritten Reiches anbelangt. Wagners alte Vorurteile erschienen in neuem Gewand. Stimmiger als diese nicht immer zwingenden Gedankengänge sind Fischer Betrachtungen zur Geschichte des Wagner-Gesangs. Schade nur, dass es der Autor hier bei historischen Beispielen belässt und sich nicht vorwagt in die Gegenwart problematischer Sängerbesetzungen in Bayreuth und dem Rest der weiten Wagnerwelt.

Richard Wagner

Martin Gregor-Dellin

928 Seiten

Piper Verlag

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Das Standardwerk als Taschenbuch

Zum Wagner-Jahr ist Martin Gregor-Dellins bis heute gültiges Standardwerk als Taschenbuch neu aufgelegt worden. Wer Muße hat, und die sollte man für die Beschäftigung mit dem Bayreuther Genie bekanntermaßen aufbringen, der muss diesen 900 Seiten umfassenden Band lesen. Man wähnt sich mitunter in einem Roman Thomas Manns, denn Gregor-Dellin verfügt in der Tat über die schriftstellerischen Mittel, die Biographie als ein Stück große Erzähl-Literatur zu schreiben. Das wissenschaftliche Fundament des Buches ist gleichwohl fest gefügt.

Ahnung und Erinnerung

Die Dramaturgie der Leitmotive bei Richard Wagner
Melanie Wald

Wolfgang Fuhrmann

269 Seiten

Henschel Verlag

 

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Wagners „Gefühlswegweiser“, die Leitmotive

Wagners Welt und Weltanschauung füllt unzählige Bände. Verblüffend wenig Erhellendes, Präzises und Neues wird indes über seine Musik selbst geschrieben. Die erfreulichste Ausnahme stellt hier der Band „Ahnung und Erinnerung. Die Dramaturgie der Leitmotive bei Richard Wagner“ dar. Melanie Wald und Wolfgang Fuhrmann stellen anschaulich dar, wie Wagner die Musik als „Mittel des Ausdrucks“ zum „Zwecke des Ausdrucks“, dem Drama, einsetzt. Über die einschlägigen lexikalischen Leitmotiv-Tabellen somit weit hinausgehend entsteht eine Phänomenologie jener „Gefühlswegweiser durch den vielgewundenen Bau des Dramas“, wie der Meister selbst seine musikalischen Motive genannt hat. Die Semiotik als Wissenschaft der Zeichen und ihrer Entschlüsselung, wie sie Vladimir Karbusicky einst von der Literatur- auf die Musikwissenschaft übertragen hat, erweist sich für das Werk des Bayreuther Meisters als eine Erkenntnisse fördernde Methode, die Experten wie interessierten und informierten Laien einen tieferen Zugang zu den Musikdramen ermöglicht.

Richard Wagner 

Mit den Augen seiner Hunde betrachtet

Kerstin Decker

196 Seiten

Berenberg Verlag

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Wagner und seine Hunde

Nicht nur wissenschaftliche Schwere, auch literarische Leichtigkeit kann Wege zu Wagner ebnen. Am besten ist das Kerstin Decker gelungen – in ihrem glänzend geschriebenen Band „Richard Wagner mit den Augen seiner Hunde betrachtet“. Die Tierliebe des Meisters führt hier sogar zum Verständnis seiner Schopenhauer-Begeisterung.

Das Rheingold

Rudolf Herfurtner, Anette Bley

32 Seiten mit Begleit-CD

für Kinder ab 5 Jahren

Annette Betz Verlag

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Richard Wagner – Ein musikalisches Bilderbuch

Lene Mayer-Skumanz

Winfried Opgenoorth (Illustration)

32 Seiten mit Begleit-CD

Annette Betz Verlag

 

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Wagner für Kinder

Zum Schauen, Hören und Staunen über Zwerge, Götter und einen Riesenwurm laden Anette Bley und Rudolf Herfurtner in ihrer liebevoll illustrierten, kindgerecht erzählten Bilder-Geschichte um Das Rheingold ein. Ja, Wagner-Faszination ist eben keine Frage des Alters oder gar der Reife, wie viel zu oft behauptet wird. In „Richard Wagner. Ein musikalisches Bilderbuch mit CD“ führt Lene Mayer-Skumanz enorm spannend, einfühlsam und umfassend in das Leben und Werk des Komponisten ein. Da können nicht nur Kinder, sondern auch deren Eltern noch was lernen – genau so vermittelt man Musik!

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