Symphonieorchester Vorarlberg und Schubertiade Hohenems sagen ab

Das schnürt dem Konzertbetrieb die Luft ab

Das Symphonieorchester Vorarlberg hat seine ersten vier Abokonzerte und die Schubertiade Hohenems ihre letzte Festival-Periode abgesagt. Dabei haben die Veranstalter behördlich abgesegnete Covid-19-Sicherheitskonzepte vorzuweisen.

© Schubertiade

Festival-Zentrum der Schubertiade ist der Angelika-Kauffmann-Saal in Schwarzenberg

Festival-Zentrum der Schubertiade ist der Angelika-Kauffmann-Saal in Schwarzenberg

Im „Ländle“, wie das zweitkleinste Bundesland Österreichs liebevoll genannt wird, ziehen dunkle Wolken auf. Denn in Vorarlberg verzeichnet man binnen sieben Tagen über 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Das trifft Konzert- und Festivalveranstalter hart, zumal man auf eine Entspannung der Lage gehofft und sich auf Zusagen der Gesundheitsbehörde verlassen hatte. Doch die rudert jetzt zurück und verbietet Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit mehr als 250 Besuchern. Für Sebastian Hazod, den Geschäftsführer des Symphonieorchesters Vorarlberg, das nun seine vier Konzerte in Feldkirch und Bregenz zur Eröffnung der Abosaison absagen musste, ist dieses Vorgehen schwer nachvollziehbar, wurde das strenge Covid-19-Sicherheitskonzept des Orchesters, das genügend Abstand für alle Besucher gewährleistet hätte, doch zuvor von behördlicher Seite abgenickt.

Zwischen 400 und 1000 Besucher waren für die Konzerte gebucht. Der neue Grenzwert kommt für Hazod einem Aufführungsverbot gleich: „Wie sollten wir innerhalb eines Tages eine Auswahl unter 1000 Besucherinnen und Besuchern treffen und 750 von ihnen über eine Absage benachrichtigen? Das ist für uns weder wirtschaftlich noch organisatorisch zu schaffen. Dass ein Orchesterkonzert genauso behandelt wird wie ein Fußballspiel, ist für mich völlig unverständlich.“

„Die Absage tut weh“

Verärgert zeigt sich auch Gerd Nachbauer, Geschäftsführer der Schubertiade Hohenems, die nun – bedingt durch die steigenden Corona-Infektionszahlen – auch ihre letzte Festival-Periode absagen musste. Verantwortlich dafür macht man indes nicht die eigene Behörde, sondern das Auswärtige Amt in Deutschland, das am 23. September das Bundesland Vorarlberg zum Risikogebiet erklärt und eine Reisewarnung ausgesprochen hat. „Wir würden nun mindestens die Hälfte unserer Gäste verlieren. Dadurch sind unsere Konzerte nicht mehr durchführbar“, teilt Nachbauer in einer Pressemeldung mit. Um eine Corona-gerechte Sitzverteilung in den Sälen herzustellen, hatte man die ersterworbenen Eintrittskarten gegen ein neues Ticketkontingent ausgetauscht, und auch die Programmhefte waren bereits gedruckt. „Die Absage tut uns ausgesprochen weh, denn wir hatten gehofft, zumindest das Saisonende halbwegs versöhnlich und optimistisch gemeinsam mit Publikum und Künstlern begehen zu können“, klagt Nachbauer.

Das Risiko ist überschaubar

Dass Konzerte trotz aufwändig erarbeiteter Sicherheitskonzepte abgesagt werden müssen, ist höchst beunruhigend für Kulturveranstalter, die oft ohnehin schon mit engen Budgets kalkulieren. Offenbar kann man nicht davon ausgehen, dass behördlich abgesegnete Vorkehrungen zur Eindämmung von Covid-19 auch morgen noch halten, was sie heute versprechen: Planungssicherheit. Mit derzeit 438 Infizierten in Vorarlberg (Stand: 28. September) ist etwas mehr als 0,1 Prozent der Bevölkerung Corona-positiv. Bei einem Konzert mit tausend Besuchern wäre statistisch betrachtet nur eine einzige infizierte Person in einem Saal anwesend, in dem aufgrund vorschriftsmäßig eingehaltener Abstandregeln ein guter Schutz vor Ansteckung geboten sein sollte. Ein Risiko, das überschaubar, um nicht zu sagen: gering erscheint. So schnürt das Gleichbehandlungsprinzip der Gesundheitsbehörden, die zwischen klassischen Konzerten, Sportveranstaltungen oder groß angelegten Feierlichkeiten nicht unterscheiden, einer ohnehin schon Corona-gebeutelten Branche erneut die Luft ab. Es bleibt zu hoffen, dass das Vorarlberger Beispiel nicht Schule macht.

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