Mozart: La clemenza di Tito

KV 621 (UA Prag 1791)

Vitellia, Tochter des früheren römischen Imperators Vitellius, sieht sich durch den neuen Imperator Titus um ihre Herrschaftsansprüche gebracht. Sie fordert Sextus auf, Titus zu töten. Sextus liebt Vitellia und ist mit Titus vertraut. Hin und her gerissen zwischen Freundschaft und Liebe lässt er schließlich das Kapitol anzünden, aber Titus überlebt. Der Senat verhört Sextus und verurteilt ihn zum Tode. Titus kann Sextus’ Verrat nicht fassen und nicht glauben. Ein persönliches Gespräch mit ihm bringt keine Klärung, da Sextus sich zwar anklagt, aber Vitellias Anstiftung verschweigt. Titus unterschreibt das Todesurteil und vernichtet es: Lieber will er auf die Herrschaft verzichten als einen Freund verlieren. Vitellia begreift, dass sie sich offenbaren muss – auch sie will an Sextus’ Tod nicht schuld sein. Ihr Geständnis gibt Titus die Möglichkeit, allen Gnade zu erweisen.

Eine typische Opera seria zu einer Krönungsfeierlichkeit – vierzigmal wurde dieser auf Metastasio zurückgehende Stoff vertont! Mozart schob den Kompositionsauftrag irgendwo zwischen die Zauberflöten-Arbeiten ein, die Premiere in Prag dirigierte er sogar selbst – er brauchte das Honorar.

Titus zeigt die reife Handschrift des Meisters, aber der Stil ist der formalen Anlage und dem politischen Inhalt entsprechend kalt und dürr, das Werk wirkt den Umständen geschuldet erschöpft und routiniert. Die Cembalo-Rezitative ließ Mozart seinen Schüler Franz Xaver Süßmayr schreiben.

Titus ist ein wahres Stimmfest: Im Mittelpunkt steht ein nobler Tenor (Titus), ihm zur Seite ein dramatischer (Vitellia) und ein lyrischer (Servilia) Sopran. Die virtuose Partie des Sextus und die anmutige des Annius waren ursprünglich für Kastraten gedacht, wurden aber schon in Prag von Mezzosopranistinnen gesungen – diese lieben die Oper sehr!

Zwei Arien mit obligaten Instrumenten fallen auf: eine für Sextus mit Klarinette und eine für Vitellia mit Bassetthorn. Beide wurden wohl von dem mit Mozart befreundeten Klarinettisten Anton Stadler geblasen, für den Mozart in den nächsten, letzten Monaten seines Lebens auch noch ein Klarinettenkonzert schreiben sollte.

In der Zauberflöte und im Klarinettenkonzert gibt es nur Herztöne – in Titusfinden sich keine. Trotzdem spürt man Mozarts Genie auch hier: in der Einfachheit, Klarheit und Überlegenheit der Musik – für die Glaubwürdigkeit des Stoffes war er nicht verantwortlich.

(Mathias Husmann)

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