Verdi: Macbeth

(UA Florenz 1847)

Die Dramen von Shakespeare und Schiller bedeuteten für Verdi eine große Herausforderung. Er ließ es nicht zu, dass seine Librettisten diese auf ihre äußere Handlung reduzierten, er wollte mit seiner Kunst dem sprachlichen und dramatischen Rang der Vorlagen ebenbürtig sein.

Die Musik zu Macbeth ist vom ersten bis zum letzten Ton düster und unheimlich:

- fantastisch: die Hexenszenen – mit hässlicher Wildheit,

- magisch: die Geistererscheinungen – mit Fernorchester „aus der Zukunft“,

- beklemmend: die Wahnsinnsszenen – mit manisch überreizten Begleitmustern im Orchester,

- großartig: die concertato-Ensembles, in denen alles vor Entsetzen erstarrt – mit einer musikalischen Drastik, die stilistisch Kurt Weill vorwegnimmt.

Anlässlich der Pariser Erstaufführung 1865 – 18 Jahre nach der Uraufführung in Florenz – arbeitete Verdi mit geschärfter Erfahrung einiges geschickt um: So wurde eine reuige Schlussansprache des Macbeth gestrichen, dieser wird nunmehr – nach Erfüllung der Hexenorakel – irgendwann während einer brillanten Schlachtmusik erschlagen. Verdi war so in Schwung, dass ihm auch die von Paris geforderte Ballettmusik hinreißend gelang.

Für die Partie der Lady Macbeth – sie ist die eigentliche Hauptperson – verlangte Verdi eine Sopranistin, die nicht schön aussehen und nicht schön singen dürfe. Für die Partie des Macbeth bedarf es eines Baritons von großem stimmlichen und darstellerischen Format. Die Oper hat keine eigentliche Liebeshandlung, aber das erregte Duett von beiden nach ihrem ersten gemeinsamen Mord ist von schauriger Erotik – das italienische Publikum verstand das: Bisweilen wurde es fünfmal da capo verlangt.

(Mathias Husmann)

Opern-Kritik: Opéra de Lyon – Macbeth

Herrische Handy-Hexen

(Lyon, 16.3.2018) Musikdirektor Daniele Rustioni offenbart die Modernität und seelische… weiter