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Festival NOW! Essen 2021

Einzug der Musikmaschinen

Unter dem Motto „Mikrokosmos – Makrokosmos“ nimmt das Festival NOW! die Neue Musik unter die Lupe und spiegelt das Große im Kleinen.

vonHelge Birkelbach,

Wie geht das eigentlich? Neue Musik „erfinden“? Etwas schaffen, das es noch nicht gibt, „Erfinden und Erstaunen vor dem Unerhörten, vom einzelnen Ton bis zur Form“, wie Karlheinz Stockhausen es ausdrückte. Nun, um heute zu komponieren, kann man auch zurückblicken. Man wird Schüler und schaut mal bei Olivier Messiaen in Paris vorbei, um den „Kurs für Ästhetik und Analyse“ zu belegen, wie Stockhausen es ab Januar 1952 tat. Das brachte den jungen Komponisten, damals 23 Jahre alt, ziemlich nach vorne. „Vieles kannte ich schon vom Studium in Köln. Aber ich kannte das meiste, ohne dass es mich etwas anging: Es war tot. Messiaen weckte Totes auf.“ Und anders als andere Kollegen pfuschte der große Mystiker dem jungen Deutschen nicht ins Handwerk. „Messiaen versuchte nicht, mich zu überzeugen. Darum war er ein guter Lehrer.“

Gigantisches Mikropartikel

Beide Komponisten sind bei der Neuausgabe des NOW!-Festivals in Essen vertreten. Stockhausen gleich zu Beginn, mit der deutschen Erstaufführung von „Luzifers Tanz“, ein gigantisches Mikropartikel aus seinem siebenteiligen Opernzyklus „Licht“. Komponiert für ein Orchester aus siebzig Bläsern und zehn Schlagzeugern, wurde es 1984 uraufgeführt. Und wieder ist es ein Schüler, der in die Gedankenwelt seines Lehrers eintaucht: Adrian Heger, der bei Stockhausen studierte, sorgt für den Zusammenhalt des Partikelstroms.

Musik an der Spannungsstelle zwischen Mikro- und Makrokosmos prägt das Festival, das 2011 erstmals stattfand. Dafür stehen etwa die „Klassiker“ der Neuen Musik wie Luigi Nono und Helmut Lachenmann. Aber auch Komponistinnen und Komponisten nachfolgender Generationen wie Rebecca Saunders und Christof Schläger sind vertreten, beide mit Uraufführungen. Während Saunders zusammen mit der Choreografin und Performerin Frances Chiaverini ihre Collage für Musik und Tanz „Hauch“ auf die Bühne der Philharmonie Essen bringt, lässt Schläger mit „Reconnected 62“ musikalische Maschinen aufs Publikum los. Im Salzlager auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein steuert er per Computer selbst entworfene und gebaute Soundmaschinen, elektrifizierte Apparate und diverse mechanische Konstruktionen.

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