Kulturfestival arabesques 2021

Fest der Künste – und der Freundschaft

Das Deutsch-Französische Kulturfestival arabesques feiert zehnjähriges Bestehen.

© Simon Janssen

Die Liedmovies sind eine Art „musikalische Ausstellung“

Die Liedmovies sind eine Art „musikalische Ausstellung“

Traditionell eröffnet das Deutsch-Französische Kulturfestival arabesques am 22. Januar. An jenem Wintertag im Jahr 1963 unterzeichneten Charles de Gaulle und Konrad Adenauer im Élysée-Palast den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag und beendeten damit die zur traurigen Tradition etablierte Feindschaft zwischen den beiden Ländern. Dass arabesques ein Fest der inzwischen gefestigten und unbedingten Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich ist, steht daher außer Frage, gleichwohl das Festival „nicht beliebig“ sein soll, wie Barbara Barberon-Zimmermann betont. 2011 rief sie gemeinsam mit Nicolas Thiébaud, Solo-Oboist der Staatsoper, arabesques ins Leben. „Uns ist die Qualität der Beiträge sehr wichtig wie auch die direkte, persönliche Begegnung zwischen dem Publikum und den Künstlerinnen und Künstlern.“ Zwar konnte die Jubiläumsausgabe des Festivals – arabesques feiert zehnjähriges Bestehen – aufgrund des Lockdowns nicht wie sonst an jenem symbolträchtigen Januartag eröffnet werden, dennoch holte man bereits im Frühsommer unter Berücksichtigung der Hygieneauflagen einige Veranstaltungen nach.

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Ab September finden die deutsch-französischen Begegnungen ihre Fortsetzung, und es sieht gut aus, dass die befürchtete vierte Ansteckungswelle das Kulturleben nicht erneut völlig überrollt. So wird auf dem Hamburger Rathausmarkt der Lichtkünstler Mickaël Lafontaine das Mahnmal für den Frieden, „Barlach Stele – Mutter mit Kind“, mit der Video-Installation „Graines – Saat“ in Szene setzen. Dazu tragen die Performance-Künstler Joséphine Auffray und David Gerbaulet vor dem Denkmal Zitate von Max Ernst sowie ein Intro aus der dem Élysée-Vertrag vorangestellten Erklärung vor.

Popmusik auf die Klassik übertragen

© Felder

Die französische Sängerin Véronique Elling lebt selbst in Hamburg

Die französische Sängerin Véronique Elling lebt selbst in Hamburg

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Eine Verschmelzung der Künste findet auch bei den als „musikalische Ausstellung“ deklarierten Liedmovies vom 2. bis 5.9. statt: Ausgangspunkt für dieses Projekt ist, das Format des Musikvideos als integralen Bestandteil der Popmusik auf die Klassik zu übertragen, womit auch „die traditionelle Konzertform gerade für den Lied-Bereich aufgebrochen werden soll“, wie Barberon-Zimmermann erklärt. Die einzelnen Videogemälde, verteilt auf mehrere Bildschirme, sollen einem Mini-Museum gleichen, in dem die Besucher die Musik von Claude Debussy und John Cage über Kopfhörer hören können.

Auch die Literatur findet Eingang ins Festival mit einem Dialog zwischen Gustave Flaubert und George Sand, den Herma Koehn aus über 400 Briefen zwischen den beiden Romanciers zusammengestellt hat und den sie am 3. Dezember gemeinsam mit Jens Wawrczeck und der Akkordeonistin Natalie Böttcher präsentiert. Überhaupt gehört die Vielfalt der Künste zur DNA von arabesques – nicht zuletzt auch deshalb, weil, wie Barberon-Zimmermann anmerkt, „die Menschen sehr viele verschiedene Dinge mit Frankreich assoziieren“, die weit über Impressionismus und Chanson hinausreichen.

Im Dezember ist zum Abschluss des Deutsch-Französischen Kulturfestivals, das in diesem Jahr unter dem Motto „Metamorphosen“ steht, endlich auch wieder das Ensemble arabesques live zu erleben, das neben Werken von Strauss und Dvorák auch Jacques Iberts „Concertino“ mit der Cellistin Emmanuelle Bertrand Werke aufführen wird. Ursprünglich war das Ensemble arabesques, das sich aus Musikern der drei großen Hamburger Orchestern zusammensetzt, nur während des Festivals tätig, doch mittlerweile gastiert es ganzjährig im In- und Ausland: nur eine von vielen Erfolgsgeschichten des Festivals.

Weitere Infos zum Festival finden Sie hier.

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