Festivalguide Telemann-Festtage 2014

Reha für den Unterschätzten

Die Telemann-Festtage in Magdeburg widmen sich in dessen Jubiläumsjahr auch Carl Philipp Emanuel Bach

© Stephanie Teschner

Mit dem Flair vergangener Tage: Die Johanniskirche in Magdeburg

Steht man heutzutage in der kriegsgebeutelten Innenstadt von Magdeburg, kann man sich kaum vorstellen, in welch prachtvoller Blüte die Stadt früher gestanden haben mag. Vor fast 1200 Jahren schon zur Kaiserpfalz erhoben, als anderswo noch Sümpfe glucksten, strahlte dieses Machtzentrum nie nur politisch, sondern vor allem auch kulturell weit aus.

Einer der berühmtesten Söhne ist Georg Philipp Telemann, der notorisch unterschätzte, ewig Deklassierte hinter dem vier Jahr jüngeren Johann Sebastian Bach. Dabei wurde dieses Fehlurteil längst von vielen Größen der Alten Musik widerlegt: An vorderster Front Hermann Max, der mit seinem Kleinen Konzert immer wieder nach Magdeburg zu den Telemann-Festtagen kommt. Das zweijährlich stattfindende Festival gilt als beliebter Treffpunkt der Alte-Musik-Szene und vereint dementsprechend einige Musikprominenz. Es geht hochkarätig zu. Die Freundschaft zwischen Bach und Telemann war übrigens unverbrüchlich, fungierte doch der Ältere als Pate von Bachs zweitem Sohn Carl Philipp Emanuel, der in diesem Jahr seinen 300. Geburtstag feiert. Deswegen widmen ihm die Telemann-Festtage auch einen ihrer Programmschwerpunkte und eine internationale wissenschaftliche Konferenz. Das interessanteste Projekt dieses Jahrgangs hingegen dürfte sicher die Oper Otto sein, inszeniert am Städtischen Opernhaus. Das Werk stammt eigentlich unter dem Titel Ottone von Händel und wurde für die Hamburger Gänsemarktoper von Telemann bearbeitet. Aber auch abseits dieses Kuriosums lohnt der Blick ins Programm.

Die Festivaldaten im Überblick:

Zeitraum: 14.- 23.3.2014

Ort: Magdeburg

Künstler: Magdeburgische Philharmonie, Gotthold Schwarz, Das Kleine Konzert, Il fondamento, Dresdner Barockorchester, Le Concert Lorrain u.a.

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