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Michael Schneider und La Stagione Frankfurt in Marburg

Das Kraftwerk Telemann anschmeißen

Flötist Michael Schneider sucht den unmittelbaren Dialog mit dem Barockmeister.

vonStefan Schickhaus,

1987 war Michael Schneider maßgeblich beteiligt an einer Telemann-Revolution. Er war der Solist an der Blockflöte, der zusammen mit Reinhard Goebels Musica Antiqua Köln dessen Doppelkonzert e-Moll für Blockflöte und Traversflöte auf CD einspielte, mit diesem so irrwitzig rasanten Finalsatz. Und plötzlich stand Georg Philipp Telemanns Musik als pures Kraftwerk da, brillant und hyperaktiv. „Ich glaube, ich habe in meinem Leben kein Concerto häufiger gespielt“, sagt der auf dieses Erweckungserlebnis angesprochene Musiker. „Das ist ein Lieblingsstück, ein fantastisches Werk, ein Unikat! Es gibt kein anderes Doppelkonzert, in dem Block- und Traversflöte so schwesterlich miteinander spielen.“

Dieses Schlüsselwerk steht auch jetzt wieder auf dem Programm, wenn Michael Schneider mit seiner Blockflöte in Marburg zu Gast ist. Viel ist in den 36 Jahren dazwischen passiert: Ein Jahr nach der umwerfenden Kölner Telemann-Aufnahme hat der Barockspezialist, der in Frankfurt den Studiengang „Historische Interpretationspraxis“ aufgebaut hat, sein eigenes Barockorchester gegründet: La Stagione Frankfurt, als Erweiterung der klein besetzten Camerata Köln.

Schneider: Telemanns Musik „ist ganz unmittelbar da“

Ein bisschen vom guten Ruf der einstigen Alte-Musik-Metropole Köln färbte damit auf Frankfurt ab, auch wenn die Stadt nie wirklich zum Mekka für die Musik Bachs, Händels und Telemanns wurde. Erstaunlich, wie beständig dabei die Besetzung ist, mit der Schneider arbeiten kann. So waren der Traversflötist Karl Kaiser und die Cembalistin Sabine Bauer – beide jetzt solistisch zu erleben beim Marburger Konzert – bereits als Gründungsmitglieder der Camerata Köln mit dabei, und das war im Jahr 1979!

Bach, Händel und Telemann: Diese drei Barockmeister sind nun auch im Erwin-Piscator-Haus mit dabei, dazu noch Johann Gottlieb Graun und Johann Friedrich Fasch. Doch Telemann war und ist immer noch Favorit in Michael Schneiders umfangreichem Repertoire, mehr als 25 Telemann-CDs mit Konzerten, Kantaten und Opern hat er im Angebot. Was schätzt er gerade an ihm, der ja etwas im Schatten steht zwischen den Riesen Bach und Händel? „Für mich persönlich gesagt: Bachs Musik ergreift mich, Händels Musik erhebt mich. Und Telemanns Musik spricht mich an. Mit ihr kann ich sofort umgehen, sie ist ganz unmittelbar da.“

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