„Brückenschläge Ost-West“ im Konzerthaus Berlin

Weil die Liebe
 nach Freiheit lechzt

Bei den „Brückenschlägen Ost-West“ trifft indischer Raga auf europäische Romantik.

Franziska Hölscher © Irène Zandel

Franziska Hölscher

Sakuntala, ein einfaches Mädchen aus der Einsiedelei, gewinnt das Herz des Königs Dusyanta. Sie heiraten, sind glücklich, bis eine Unachtsamkeit die junge Prinzessin ins Unglück stürzt: Durch einen Fluch erkennt der König sie nicht mehr. Diese Geschichte hat der indische Dichter Kalidasa im 4. Jahrhundert n. Chr. aufgeschrieben. Herder und Goethe schätzten das Drama, Schubert wollte eine Oper daraus machen.

Auch dem Komponisten Wolfgang-Andreas Schultz schwebte zunächst eine Oper vor: „Seit meiner Jugend ist für mich die Verbindung der Romantik zu Indien ein wichtiges Thema. (…) Den Plan, aus ‚Sakuntala‘ eine Oper zu machen, habe ich vor über 30 Jahren aufgegeben, aber nun kehrt er zurück in Form eines rein instrumentalen Projekts für Violine und Orchester.“ Die Uraufführung fand 2015 in Hamburg statt.

„Brückenschläge Ost-West“ im Konzerthaus Berlin

Im Rahmen des Sonderkonzerts „Brückenschläge Ost-West“ ist das Werk nun im Konzerthaus zu hören. Die Violinistin Franziska Hölscher verleiht der indischen Prinzessin ihre Stimme. „Auch die anderen Personen des Dramas werden durch Themen repräsentiert, die im Laufe der Komposition miteinander konfrontiert und verändert werden“, erklärt die Solistin. „Die Klangsprache orientiert sich an der Romantik, in der überwiegend Raga-ähnliche Strukturen zu finden sind. Bemerkenswert dabei ist für mich das Aufeinandertreffen von indischer und europäisch-romantischer Denkweise. Diese Grenzen in beiden Richtungen zu überschreiten und somit einen Blick von außen zu bekommen, ist ungemein inspirierend.“

Eine weitere Liebesgeschichte ist „Die Legende von Paul und Paula“, eine der erfolgreichsten Filme der DDR. Peter Gotthardt komponierte die Filmmusik (interpretiert von den Puhdys) und verfasste daraus eine Suite, die bei der Matinee am Gendarmenmarkt erklingt. „Den Film habe ich zum ersten Mal im Zusammenhang mit der Programmierung dieses Konzerts gesehen“, sagt Hölscher. „Es geht dabei um die Kraft der Liebe in einem System, das Anpassung verlangt.“

Das Konzept der beiden Sonderkonzerte „Brückenschläge Ost-West“ ist eine Erfindung von Peter P. Pachl, seit Ende 2017 Intendant der Berliner Symphoniker. Als „experimentierfreudig“ beschrieb ihn der Tagesspiegel. Vielleicht wird dieser „Brückenschlag“ zum Ritterschlag.

concerti-Tipp:

„Brückenschläge Ost-West I“
So. 28.10.2018, 11:00 Uhr, Konzerthaus Berlin
Mit: Franziska Hölscher (Violine), Chorverband Berlin, Berliner Symphoniker, Lior Shambadal (Leitung)
Schulhoff: Das kommunistische Manifest op. 82, Blacher: Paganini-Variationen, Gotthardt: Insulin & Suite „Die Legende von Paul und Paula“, Schultz: Sakuntala, Schwaen: Variationen über ein niederländisches Volkslied

Kommentare sind geschlossen.