Multimedia-Tipp: Konzert des BR-Symphonieorchesters im Stream

Konzert unter Freunden

Heute ist eine Neuinterpretation des ersten Violinkonzerts von Schostakowitsch im Livestream bei BR-Klassik zu erleben

© Peter Meisel/BR

Mariss Jansons

Mariss Jansons

Wenn Frank Peter Zimmermann mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Mariss Jansons das erste Violinkonzert von Dmitri Schostakowitsch interpretiert, wird die Geschichte zweier Freundschaften fortgeschrieben: Als 1985 der damals erst zwanzigjährige Zimmermann beim BR-Symphonieorchester bebütierte, waren Solist und Klangkörper stark voneinander angetan und suchten auch in den Folgejahren die Zusammenarbeit. Eine weitere künstlerische Freundschaft Zimmermanns besteht zum heutigen Chefdirigenten des Orchesters, Mariss Jansons. Vor drei Jahren interpretierten die beiden  mit den Berliner Philharmonikern das zweite Violinkonzert von Schostakowitsch, nun steht dessen erstes Violinkonzert an – mit dem BR-Symphonieorchester.

© Wikimedia Commons

Dmitri Schostakowitsch

Dmitri Schostakowitsch

Die Werkgeschichte dieser beiden Violinkonzerte ist ebenfalls von der Freundschaft zweier Künstler umklammert: Weil das erste Violinkonzert im Jahr 1948 und damit in einer Zeit des kulturpolitischen Umschwungs in der Sowjetunion entstand, war eine Uraufführung der Komposition zunächst nicht möglich. Erst 1955 konnte sie erstmals im Mariinskij-Theater erklingen, weil ein amerikanischer Agent darauf bestanden hatte, dass David Oistrach dieses Werk bei seiner ersten Konzertreise in den Vereinigten Staaten geben solle.

Eine ziemlich pünktliche Widmung von Schostakowitsch

1967 widmete Schostakowitsch auch sein zweites Violinkonzert dem ihm nahestehenden Jahrhundertgeiger. Ursprünglich war es als Geschenk zu Oistrachs 60. Geburtstag gedacht, doch hatte sich der Komponist geirrt: Oistrach wurde in diesem Jahr erst 59. Gemessen an der Bedeutung des Werkes ist das aber eine Kleinigkeit, die auch mal vorkommen darf, zumal unter Freunden. Jedoch war Schostakowitsch bereits schwer erkrankt und musste während der Probenphase ins Krankenhaus, weshalb er bei der Uraufführung nicht dabei sein konnte.

Den musikalischen Weg von ungezügelter, vitaler Spritzigkeit (vor allem im Finale) zu extremer Reduktion in düsterer Schwere, den Schostakowitsch vom ersten zum zweiten Violinkonzert beschritt, gehen Frank Peter Zimmermann und Mariss Jansons nun in umgekehrter Richtung. Entsprechend wird es bestimmt eine große Freude sein die Radioübertragung oder den Livestream auf BR-Klassik zu verfolgen.

Einen Eindruck von Zimmermanns und Jansons Zusammenarbeit am zweiten Violinkonzert gibt es hier:

concerti-Tipp:

BR-Klassik
Fr. 27.4., 20:00 Uhr

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