Radio-Tipp: Feature „Oper – Macht – Propaganda“ auf BR-Klassik

Nürnbergs Musiktheater im Dritten Reich

Hochkultur in Zeiten der Reichsparteitage: In seinem Musik-Feature auf BR-Klassik beleuchtet Wolfgang Schicker morgen um 19:05 Uhr das komplexe Spannungsfeld des Nürnberger Opernhauses zwischen Kunst- und Machtanspruch

© André Karwath (Aka)/Wikimedia Commons

Staatstheater Nürnberg

Staatstheater Nürnberg – Opernhaus

Nürnberg. Stadt der Meistersinger. Stadt der Reichsparteitage. Stadt der Rassegesetze. Stadt der Nürnberger Prozesse. Kaum eine andere Stadt in Deutschland war in der Zeit des Nationalsozialismus einem derart komplexen Spannungsfeld ausgesetzt, wie Nürnberg. Und mittendrin: das Musiktheater, das immer wieder für Propagandazwecke missbraucht wurde – davon aber auch enorm profitierte.

Das Opernhaus von Nürnberg im Dritten Reich

So wurde ab dem Jahr 1933 vor allem „Die Meistersinger von Nürnberg“ von Richard Wagner für NS-Zwecke benutzt: Bis 1938 wurden alle Reichsparteitage mit einer Aufführung dieser Oper eröffnet. Auch musste Johannes Maurach, damaliger Intendant der Nürnberger Oper, viele Einschränkungen in der Spielplangestaltung hinnehmen. So mussten etwa die Werke von jüdischen, slawischen und russischen Komponisten von den Konzertprogrammen gestrichen oder verstärkt Operetten gespielt werden.

Zugleich aber profitierte das Opernhaus von dem NS-Regime, denn dessen hohe finanzielle Förderungen ermöglichten neben dem Umbau des gesamten Innenraums nach ideologischen Vorstellungen auch eine sehr hohe künstlerische Qualität, die sich auch fortsetzte, als Maurach ob seiner Eigensinnigkeit 1939 aus seinem Amt entfernt und durch Wilhelm Hanke ersetzt wurde. Der brachte erstmals Wagners kompletten „Ring“ auf die Bühne brachte, ehe dessen Amtszeit am 15. April 1945 mit einem letzten Konzert mitten im Geschützhagel des Krieges endete.

Zwischen Kunst und Machtmissbrauch

Die Ambivalenz von künstlerischem Anspruch und Missbrauch durch die nationalsozialistische Propaganda beleuchtet Wolfgang Schicker morgen Abend ab 19:05 Uhr in seiner thematischen Wortsendung „Oper – Macht – Propaganda“ auf BR-Klassik. Er sprach mit Vertretern des Staatstheaters Nürnberg, dem Forschungsinstitut für Musiktheater der Universität Bayreuth (fimt) und dem Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, die zusammen in einem Projekt die Rolle des Musiktheaters in Nürnberg zur Zeit des Nationalsozialismus untersuchen.

concerti-Tipp:

Das Musik-Feature
„Oper – Macht – Propaganda“ Nürnbergs Musiktheater im Dritten Reich
Fr. 22.9., 19:05 Uhr
BR-Klassik

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