Oper: Premiere bei den Bayreuther Festspielen – „der verschwundene hochzeiter“

Erste Uraufführung in Bayreuth seit 1882

Die Oper „der verschwundene hochzeiter“ entstand in Zusammenarbeit des Komponisten Klaus Lang mit dem Regisseur Paul Esterházy. Damit präsentieren die beiden das erste Auftragswerk bei den Bayreuther Festspielen seit deren Bestehen

Festspielhaus Bayreuth © Rico Neitze/Wikimedia Commons

Festspielhaus Bayreuth

„Diskurs Bayreuth“ heißt die im letzten Jahr eingeführte Veranstaltungsreihe der Bayreuther Festspiele zur Bereicherung des Rahmenprogramms rund um den Grünen Hügel. Dabei geht es um die künstlerische und wissenschaftliche Annäherung an das kulturhistorische Phänomen „Richard Wagner“. Jedes Jahr steht der Diskurs unter einem anderen Motto, in diesem Jahr heißt es „Verbote (in) der Kunst“.

Verbote (in) der Kunst und das erste Auftragswerk „der verschwundene hochzeiter“ von Klaus Lang

Am 24. Juli ist es soweit: Die Oper „der verschwundene hochzeiter“ des österreichischen Komponisten Klaus Lang wird uraufgeführt und bricht damit – getreu dem Veranstaltungsthema – ein Verbot. Oder genauer gesagt eine Tradition, die über viele Jahre hinweg eine gesetzesgleiche Gültigkeit innehatte: Bei den Festspielen wird ausschließlich Wagner gespielt. Doch nun erlebt Bayreuth die erste Uraufführung einer Oper seit Richard Wagners „Parsifal“ – fast exakt 136 Jahre später. Zwar nicht im legendären Festspielhaus, sondern in einem historischen Kinosaal, der Kulturbühne „Reichshof“ in der Stadtmitte. Denn so viel Regeltreue muss sein: Im Festspielhaus dürfen ausschließlich Werke von Richard Wagner dargeboten werden.

Kulturbühne Reichshof

Kulturbühne „Reichshof“ © Christian Wedlich

Klaus Lang komponierte auf Initiative der Festspiel-Intendantin Prof. Katharina Wagner für die Bayreuther Festspiele 2018 die Oper „der verschwundene hochzeiter“ in Anlehnung an die Erzählung einer niederösterreichischen Sage aus dem Gölsental. Inszenieren wird sie Paul Esterházy, der mit diesem gesellschaftlich bedeutsamen Werk schon seine dritte Oper in Kooperation mit Klaus Lang produziert. Aufgeführt wird das anderthalbstündige Werk von dem belgischen Ictus Ensemble unter der Leitung von Klaus Lang selbst.

Verlorengehen in der Zeit

Klaus Lang

Klaus Lang © privat

In „der verschwundene hochzeiter“ geht es um einen Mann, der auf seinem Weg zur Hochzeit eines Unbekannten in der Zeit verloren geht, beschreibt Komponist Klaus Lang die Handlung. Der Hochzeiter soll sich vergnügen und feiern – aber nur so lange die Musik spielt. Er hält sich nicht an diese Regel und bei seiner Heimkehr muss er feststellen, dass 300 Jahre vergangen sind. Der Protagonist zerfällt zu Staub. Da sich die neue Oper um das Faszinosum Zeit dreht, ist es dem Komponisten wichtig, die Aufführung nicht durch Pausen zu zerschneiden, erklärt er. So könne das Publikum einen musikalischen Raum betreten und sich darin ungestört aufhalten.

Zeit und das Erleben von Zeitlichkeit sei heutzutage starkem Druck und großer Eile ausgesetzt. Der Komponist führt diesen Gedanken fort zu der Kontemplation, was Musik ist: Nämlich die Schwingung von Luftmolekülen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Intensitäten. Das Elementare daran ist für ihn der Unterschied der Zeitlichkeit, in der sich die Schwingungen abspielen. Und das ist der Schwerpunkt seines musikalischen Denkens: das Hörbarmachen von Zeit und Zeitlichkeit. Regisseur Paul Esterházy freut sich in zweierlei Hinsicht, bei dieser Oper mitzuwirken und schildert dazu seine Erfahrung mit dem Werk und dem Thema Zeit wie folgt: „Da ich gegenwärtig parallel zu Klaus Langs Oper mit wachsendem Vergnügen Wagners „Der Ring des Nibelungen“ inszeniere, empfinde ich die Aufgabe, am Ort der „Parsifal“-Uraufführung nach 136 Jahren ein weiteres Mal im Theater Raum zu Zeit werden zu lassen, als kuriosen Zufall und große Herausforderung.“

Reizvolles Begleitprogramm

Das Programm des „Diskurs Bayreuth“ neben der Uraufführung noch drei Musikabende jeweils für Klavier, Streichquartett und Gesang. Außerdem wird in einem Symposium erörtert, wie Verbote in der Musikgeschichte wirksam waren. Ein Beispiel dafür ist die Kaiserhymne von Joseph Haydn, die über lange Zeit nicht aufgeführt werden durfte, erklärt die Kuratorin des Rahmenprogramms, Dr. Marie Luise Maintz. Zusätzlich erschien das Buch „Sündenfall der Künste“ dem es um Richard Wagners Werk im Nationalsozialismus geht. Insgesamt sei es aber das Ziel des „Diskurs Bayreuth“, das Programmspektrum der Festspiele zu bereichern und Neues anzubieten, was in unsere heutige Zeit gehört – also einen Blick in die neueste Musik zu werfen.

concerti-Tipp

Bayreuther Festspiele
Lang: der verschwundene hochzeiter
24.7. (UA), 26. & 27.7.2018
Kulturbühne „Reichshof“

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