Potsdamer Winteroper 2018

Gemeinsam den christlichen Märtyrertod sterben

Die Potsdamer Winteroper setzt mit Händels „Theodora“ die Reihe szenischer Oratorien fort.

Friedenskirche Potsdam © Wolfgang Staudt/Wikimedia Commons

Friedenskirche Potsdam

Einst hatte das Potsdamer Theater eine Opernsparte. Die wurde nach der Wende gestrichen. In Erinnerung an diese Tradition stellen die Kammerakademie Potsdam und das Hans Otto Theater seit 2005 gemeinsam die „Winteroper“ auf die Beine. Die jährliche Inszenierung wurde zunächst im Rokoko-Schlosstheater des Neuen Palais gezeigt. Doch seit 2013 wird hier renoviert; daher dient die Friedenskirche im Schlosspark Sanssouci als Spielstätte. Die Veranstalter machen das Beste aus dem Umzug: In der Kirche unterliegt man nicht den Zwängen einer Guckkastenbühne; das ermöglicht neue szenische Formate. Außerdem bietet es sich hier an, biblische Stoffe auf die Bühne zu bringen. Inzwischen hat sich die Potsdamer Winteroper einen Namen mit szenischen Oratorien gemacht. So wurde die Produktion von 2013, Georg Friedrich Händels „Jephta“ in der Regie von Lydia Steier, zu den Wiener Festwochen und zum Hamburger Theaterfestival eingeladen. Nach diesem fulminanten Auftakt folgten Oratorien von Mozart, Scarlatti, erneut Händel sowie Mendelssohn – allesamt alttestamentliche Stoffe, die sich mit der Geschichte des Urvolkes Israel beschäftigen; von Kain und Abel über Judith bis zu Elias.

Händels „Theodora“ an der Potsdamer Winteroper

In diesem Jahr steht Händels Oratorium „Theodora“ auf dem Programm, das sich der Frühgeschichte des Christentums widmet. Es gehört zum Spätwerk Händels und wurde 1750 am Covent Garden Theatre in London uraufgeführt. Händel vertonte die durchaus opernhafte Legende der heiligen Theodora, die im Jahr 304 den Märtyrertod starb: Theodora wird inhaftiert, weil sie als Christin das Götzenopfer verweigert. Als Strafe soll sie zur Prostitution gezwungen werden, doch ein römischer Offizier verhilft ihr zur Flucht. Als ihm ebenfalls die Todesstrafe droht, stellen sich die beiden und gehen gemeinsam in den Tod.

Es dirigiert Konrad Junghänel, der in Potsdam bereits die Erfolgsproduktion „Jephta“ sowie 2016 Händels „Israel in Egypt“ leitete. Seine Partnerin ist die deutschlandweit gefragte Regisseurin Sabine Hartmannshenn, die im September Wagners „Siegfried“ in Chemnitz inszenierte. Im kommenden Jahr kann die Potsdamer Winteroper dann hoffentlich fristgemäß ins fertig sanierte Schlosstheater am Neuen Palais zurückkehren.

Hören Sie die Ouvertüre zu „Theodora“ mit dem Philharmonia Baroque Orchestra unter Nicholas McGegan:

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