Porträt Felix Klieser

Fußnoten eines Hornisten

„Was ich mir als kleiner Junge mal ertäumt habe, das habe ich längst erreicht“: Felix Klieser hat eine beeindruckende Laufbahn hingelegt.

© Maike Helbig

Felix Klieser

Felix Klieser

Andere Jungs träumen davon, später einmal Fußballer zu werden – für den kleinen Felix indes stand schon als Vierjähriger fest, dass er unbedingt Horn spielen wollte. Warum? Schwer zu ergründen: In seinem familiären Umfeld ist niemand Musiker, geschweige denn Blechbläser – seine Eltern erkundigten sich erst einmal in der Musikschule nach dem Instrument. Und versuchten den Steppke dann mitsamt der Leiterin und dem Instrumentallehrer von seiner Idee abzubringen: Gilt das Horn doch als eines, ja das schwierigste aller Blasinstrumente, bei dem jeder nicht zentral getroffene Ton sofort für die gefürchteten Kiekser sorgt. Also wollten sie den Jungen erst zum Xylofon überreden und probierten es dann mit einem Posthorn – doch Klieser blieb hartnäckig. Warum? „Das ist ein Mysterium“, rätselt der Niedersachse bis heute selbst – und fügt dann mit einem Augenzwinkern an: „Vielleicht habe ich das Instrument in irgendeiner Kindersendung gesehen, möglicherweise beim Sandmann …“

Singen und schmettern wie kein anderes Instrument

Weit weniger rätselhaft als die Initialzündung dünkt ihm hingegen die schon früh erfahrene klangliche Faszination des güldenen Blechs: „Das Horn ist eines der farblich vielseitigsten Instrumente, mit dem sich wunderbar Emotionen wecken lassen“, schwärmt der junge Mann von seinem Modell 103 aus der Rheinischen Instrumentenfabrik der Gebrüder Alexander. Was nichts mit dessen historischem Einsatz als Jagd- oder Posthorn zu tun hat, sondern allein mit seinem Klangfarbenspektrum: Vermag doch dieses mehrere Meter lange, gewickelte Rohr sowohl zu singen als auch zu schmettern, seine Farben mit den Lagen und Lautstärken zu wechseln wie kein zweites Instrument – kein Wunder, dass das Horn denn auch als Träger des Poetischen, als romantischer Klang schlechthin gilt.

Klieser bedient hierfür die Ventile an seinem Horn mit den Zehen des linken Fußes. Des linken Fußes? Ja, denn der Hornist ist ohne Arme geboren. Ein alles andere als leichtes Los – und doch sieht er in dieser Bürde vor allem eine Herausforderung. Eine Herausforderung, der der Musiker in seinen verschiedenen Entwicklungsphasen mit Fleiß und Ideenreichtum begegnet ist: Als Fünfjähriger saß er beim Spielen, während das Instrument vor ihm auf dem Boden stand, mit den Jahren und dem Wachstum wanderte das Blechcorpus auf einen Stuhl. Schließlich hat der Teenager gemeinsam mit einem Instrumentenbauer ein Stativ entwickelt, an dem das Horn – in Kopfhöhe fixiert – nun hängt.

Der Moment absoluter Einheit

Weit schwieriger gestaltete sich eine andere Aufgabe: Pflegen Hornisten doch durch das sogenannte Stopfen ihrer rechten Hand im Schalltrichter die Farbe des Klangs zu beeinflussen, um dunkle und sanfte Töne zu erzeugen. Doch auch hier hat der Künstler eine Lösung gefunden: Auf einem weiteren Stativ ruht ein Stoßdämpfer, der sich mit dem rechten Fuß in den Trichter hinein- und wieder herausrollen lässt.

Der Einfallsreichtum eines Klangerfinders eben – vor allem aber Fleiß: „An diesem Punkt habe ich unglaublich viel gearbeitet“, erinnert sich Klieser. Ja, als Jugendlicher habe er oft so viel getüftelt und geübt, dass „der Ansatz irgendwann kaputt war“ – und der junge Mann eine neue Erkenntnis gewann: „Man muss sehr gut auf sich selber hören.“ Was nicht heißt, dass er sich nunmehr auf seine Begabung verließe: Acht-Stunden-Probentage sind nach wie vor eher die Regel als die Ausnahme, selbst im Urlaub begleitet ihn das Blech – „ich bin nicht wahnsinnig talentiert, sondern überzeugt, dass man sich alles hart erarbeiten muss“.

CD-Tipp

Hornkonzerte von Mozart, J. & M. Haydn
Felix Klieser, Würtembergisches KO, Ruben Gazarian
Berlin Classics

Termine

Samstag, 07.12.2019 19:00 Uhr Gemeindezentrum Iffeldorf

Andrej Bielow, Felix Klieser, Martina Filjak

Koechlin: Vier kleine Stücke op. 32, Brahms: Violinsonate Nr. 3 & Horntrio Es-Dur op. 40, Schumann: Adagio und Allegro As-Dur op. 70, Duvernoy: Horntrio Nr. 1 c-Moll

Donnerstag, 30.01.2020 19:30 Uhr Opernhaus Magdeburg

Felix Klieser, Magdeburgische Philharmonie, Anna Skryleva

Bonis: Trois Femmes de légende – Salomé op. 100/2, Ophélie op. 165/2 & Le Songe de Cléopâtre op. 180/2, R. Strauss: Hornkonzert Nr. 1 Es-Dur op. 11, Beethoven: Sinfonie Nr. 8 F-Dur op. 93

Freitag, 31.01.2020 19:30 Uhr Opernhaus Magdeburg

Felix Klieser, Magdeburgische Philharmonie, Anna Skryleva

Bonis: Trois Femmes de légende – Salomé op. 100/2, Ophélie op. 165/2 & Le Songe de Cléopâtre op. 180/2, R. Strauss: Hornkonzert Nr. 1 Es-Dur op. 11, Beethoven: Sinfonie Nr. 8 F-Dur op. 93

Dienstag, 17.03.2020 20:00 Uhr Kammermusiksaal des Deutschlandfunks

Sarah Willis, Felix Klieser, Amaryllis Quartett

Beethoven: Sextett Es-Dur op. 81b, Mozart: Quintett Es-Dur KV 407 & Ein musikalischer Spass F-Dur KV 522, Hefti: Streichquartett Nr. 4 „con fucco„

Sonntag, 29.03.2020 18:30 Uhr Reitstadel Neumarkt

Sebastian Manz, Felix Klieser, Marc Trénel, Dominik Wagner, Danish String Quartet

Beethoven: Streichquartett Nr. 4 c-Moll op. 18/4, Mozart: Klarinettenquintett A-Dur KV 581, Schubert: Oktett F-Dur D 803

Mittwoch, 01.04.2020 20:00 Uhr Kölner Philharmonie

Felix Klieser, Festival Strings Lucerne, Daniel Dodds

Nielsen: Suite op. 1 CNK 6, Mozart: Sinfonie A-Dur KV 201, Hornkonzerte Es-Dur KV 417 & Es-Dur KV 495

Sonntag, 07.06.2020 11:00 Uhr Musik- und Kongresshalle Lübeck

Felix Klieser, Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck, Andreas Wolf

Hindemith: Sinfonische Metamorphosen nach Themen von Weber, R. Strauss: Hornkonzert Nr. 2 Es-Dur op. 132 & Tod und Verklärung op. 24

Montag, 15.06.2020 19:30 Uhr Musik- und Kongresshalle Lübeck

Felix Klieser, Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck, Andreas Wolf

Hindemith: Sinfonische Metamorphosen nach Themen von Weber, R. Strauss: Hornkonzert Nr. 2 Es-Dur op. 132 & Tod und Verklärung op. 24

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