Gesamtkunstwerk Lambert

Anonymität als Konzept

Sein Name – ein Pseudonym, seine Musik – kaum einzuordnen. Eines jedoch ist sicher: Lambert liefert Gesprächsstoff. Details zu seiner Person sind ebenso unbekannt, wie sein Gesicht. Der in Berlin lebende Musiker trägt bei öffentlichen Auftritten eine sardische Ledermaske

© Andreas Hornoff

Lambert

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Klassik-Puristen distanzieren sich – zu weit weg scheint ihnen die Musik von ihren Lieblingen Bach, Mozart und Beethoven und auch die Freunde des durchschnittlichen Mainstreamradios finden bei dem Pianisten Lambert keine hitverdächtigen Ohrwürmer. Doch Lamberts Fangemeinde wächst. Irgendwo zwischen Ambient-, Lounge-, Pop- und klassischer Musik bewegt sich der gebürtige Hamburger mit seiner Musik, der ein Hauch von Anonymität anhaftet, eben weil sie kaum einzuordnen ist. Sein erstes Album veröffentlichte er 2014, seither folgt jedes Jahr ein weiteres. Bekannt ist Lambert vor allem für seine Re-Work-Projekte, in denen er bereits existierende Kompositionen neu interpretiert.

© Mercury KX

Lambert

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Ein Gesamtkunstwerk?

Bei Lambert spricht einiges für ein Gesamtkunstwerk: Der studierte Jazzmusiker erschafft eine Kunstfigur, der er mithilfe einer signifikanten Ledermaske ein Wiedererkennungswert verleiht und hinter dessen Fassade der Musiker seine eigentliche Identität vollständig verbirgt. Dazu liefert er eine Musik, die sich beim ersten Hören nicht eindeutig in die – speziell in Europa so strikt getrennten – Bereiche von Ernster- und Unterhaltungsmusik einordnen lässt. Musik im Grenzbereich, nicht zu bestimmen, fast anonym.

Maske mit Lücken?

Alleine ist Lambert damit aber nicht. Auf den zweiten Blick sind viele Parallelen zu diversen anderen (teilweise sehr erfolgreichen) Künstlern der Musikbranche zu erkennen, an deren Erfolgsrezepten sich der Wahl-Berliner bedient.

Angefangen bei der Musik ist Lambert ein weiterer Künstler, der sich im Fahrwasser des populären recomposed-Trends, welcher von Max Richter mit seinem Vivaldi recomposed Projekt begründet wurde und dem heute unter anderem mit Chad Lawson und Stefan Obermaier sehr erfolgreiche Musiker zugerechnet werden, bewegt. Gleichzeitig erinnern seine Stücke, in deren Zentrum Lamberts Klavierspiel steht, an zeitgenössische Pop-Klassik à la Yiruma und Ludovico Einaudi. Zwei Punkte also, die keinesfalls einer künstlerischen Abwertung gleichkommen, die Musik aber durchaus in einer populären Strömung – nämlich klassische Musik mit modernen Popmusikklängen zu verbinden – verorten lässt. Auch das Konzept der Anonymität, ob mit Masken oder Bemalung, dass in der Popkultur spätestens seit den Elektro-Künstlern Daft Punk und den Kult-Rockern Kiss angekommen ist, ist mittlerweile eher ein alter Hut.

Doch das Publikumsrätsel um den Musiker hinter einer Maske bleibt weiterhin ein funktionierender Marketingtrick der Musikindustrie, dem sich nun auch Lambert bedient. Rätsel wollen gelöst werden – Lamberts Musik liefert den Soundtrack dazu.

Sehen Sie hier das offizielle Musikvideo zu Lamberts Song „Chamber“:

CD-Tipp

Sweet Apocalypse
Lambert (Klavier)
Mercury

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