Zum 80. Geburtstag von René Kollo

Vom Schlagerstar zum Heldentenor

Er war auf den großen Opernbühnen dieser Welt zu Hause: Heute wird der Tenor René Kollo 80 Jahre alt

René Kollo © HGM Press

René Kollo

Im Opernbereich ist René Kollo eine Ausnahmeerscheinung: Kaum einem Sänger gelang es bislang, eine derartige Karriere als Heldentenor hinzulegen – und zuvor in der leichten Muse zum Star zu avanciert haben. Dabei wollte der 1937 geborene Berliner eigentlich nicht Sänger, sondern Schauspieler werden. Wie schon sein Vater Walter und Großvater Willi, die beide Schlager und Revuen komponierten, schlitterte Kollo eher durch Zufall in die Unterhaltungsmusik hinein und landete 1959 mit seiner Interpretation des Schlagers „Hello, Mary Lou“ direkt einen Hit.

Nachdem Kollo weitere Achtungserfolge mit leichten Liedern einfuhr und 1964 sowie 1965 am Vorentscheid für den Eurovision Song Contest teilnahm, der damals noch Grand Prix Eurovision de la Chanson hieß, wäre eine Karriere im seichteren Segment eigentlich obligatorisch gewesen.

Wagner, immer wieder Wagner

Doch Kollo überraschte: Allen Unkenrufen zum Trotz ergatterte er 1965 ein festes Engagement am Theater Braunschweig. Was folgte, war eine höchst beeindruckende Tenor-Karriere, die ganz im Zeichen von Richard Wagner stand: Allein in Bayreuth sang er, nachdem er 1969 sein Debüt als Steuermann im „Fliegenden Holländer“ auf dem grünen Hügel gab, elfmal die Partie des Siegfried (unter anderem auch 1976 in Patrice Chéreaus „Jahrhundert-Ring“), fünfmal den Parsifal, achtmal den Tristan, neunmal den Walther von Stolzing und ganze dreizehnmal den Lohengrin.

Erst 1985 sollte es zum Bruch mit den Bayreuther Festspielen kommen, nachdem Kollo, der eigentlich die Titelpartie im „Tannhäuser“ hätte singen sollen, knappe 47 Minuten vor der Premiere absagte und aus der fränkischen Stadt gen Ehefrau und neugeborener Tochter flüchtete. Ein Verhalten, das Wellen schlug. Kollo sollte nie wieder auf den Brettern des Festspielhauses stehen.

René Kollo

René Kollo © HGM Press

René Kollo, der Musikweltenwanderer

Dafür war er aber in den renommiertesten Opernhäuser der Welt zu Gast: an der Scala feierte er ebenso triumphale Erfolge wie an der Met oder in Covent Garden – von Wien und Salzburg ganz zu schweigen. Kollo galt als Heldentenor schlechthin. Und anders als bei Peter Hofmann etwa nahm man es ihm auch nicht krumm, wenn er immer mal wieder Ausflüge ins leichte Fach wagte, indem er etwa als Gastgeber der ZDF-Show „Ich lade gern mir Gäste ein“ fungierte, Mitte der 1980er-Jahre ein Album mit Udo Jürgens-Liedern aufnahm oder auch immer wieder Abstecher in den Operetten-Bereich unternahm.

Hinsichtlich der Genres war und ist René Kollo ein Wanderer zwischen den Musikwelten. Seine Auftritte sind ebenso legendär wie sein wehrhaftes Verhalten gegenüber Intendanten, Regisseuren und Dirigenten. Jahrelang war er etwa mit Herbert von Karajan verkracht. Auch mit Leonard Bernstein führte er so manchen Disput. Und wenn ihm die Inszenierung eines Regisseurs unlogisch erschien, dann schmiss er auch schon mal kurz vor knapp hin – wie etwa an der Scala, wo er die „Lohengrin“-Premiere dann aber letztlich doch noch sang.

Abschiedstournee mit 80

René Kollo hat nie ein Blatt vor den Mund genommen, ließ sich nie verbiegen. Lieber polarisierte er als sich selbst nicht treu zu sein. Ob nun als Sänger oder als Regisseur (als er 1986 in Darmstadt den „Parsifal“ inszenierte, gingen die Kritikermeinungen sehr weit auseinander) oder auch als Intendant (1997 ging das von ihm geführte Berliner Metropol-Theater nach nur einem Jahr pleite) und Privatperson (2012 wurde er wegen Steuerhinterziehung zu fünfzehn Monaten auf Bewährung verurteilt): Kollo überstand jeden Lebenssturm und stand auch bei der steifsten Brise aufrecht im Wind und zeigte Haltung. Haltung zeigt er mit seinen achtzig Jahren übrigens immer noch, denn der ehemalige Heldentenor, der sich offiziell im Jahr 2000 von den großen Wagner-Partien verabschiedete, macht keinen Hehl daraus, wie sehr es ihm das Herz bricht, dass der Opernbetrieb am Sterben ist, weil er verflacht und sich selbst nicht neu erfinden kann.

Obwohl Kollo sich bereits 2014 mit seiner Kirchenkonzert-Tournee „Mein Leben, meine Lieder“ endgültig von der Bühne verabschieden wollte, folgten immer mal wieder kleinere und größere Konzertreisen und Auftritte. Und auch mit achtzig Jahren ist für René Kollo noch nicht Schluss. So wird er ab Januar 2018 mit seinem Programm „Ein Weltstar sagt Adieu“ zu erleben sein.

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