Porträt Riccardo Muti

Toscaninis Erbe

Der italienische Dirigent Riccardo Muti in der NDR Kultur-Reihe „Die großen Stars der Musik“

© Silvia Lelli

Ricardo Muti

Ricardo Muti

Dem italienischen Dirigenten Riccardo Muti wird Perfektion, Unerbittlichkeit, Strenge nachgesagt. Vielleicht lieben ihn deshalb so großartige Orchester wie die Wiener Philharmoniker, das Philharmonia Orchestra London, das Philadelphia Orchestra oder das Chicago Symphony Orchestra, wo der am 28. Juli 1941 geborene Dirigent derzeit Music Director ist, in London und Philadelphia war er es. Vielleicht liegt Mutis oft zitierte Strenge – die man auch in seinen präzis-geschliffenen, unmissverständlichen Dirigierbewegungen erkennen kann – aber auch daran, dass Riccardo Muti der älteste von fünf Söhnen eines neapolitanischen Arztes ist, und dass er sich als Ältester einerseits behaupten musste und sich andererseits auch für seine jüngeren Brüder verantwortlich fühlte.

Mit acht Jahren begann Riccardo Muti Geige zu lernen, mit dreizehn wechselte er zum Klavier, mit fünfzehn faszinierte ihn der Klang des Orchesters. Das Studium fand in Neapel und Mailand statt, u. a. bei Antonio Votto, einem Korrepetitor des großen Arturo Toscanini. Auch von dort könnte Riccardo Mutis so bezwingend perfekte Dirigierkunst kommen, denn Toscanini war für seine Genauigkeit und Strenge im Umgang mit den Orchestern bekannt.

Mutis Karriere begann, als er 1967 den Guido-Cantelli-Wettbewerb gewann und ein Jahr später beim „Maggio Musicale“ in Florenz als Dirigent mit dem Pianisten Swjatoslaw Richter debütieren durfte. Danach ging es Schlag auf Schlag: 1971 Debüt bei den Salzburger Festspielen, 1972 Debüt beim Philadelphia Orchestra und Chef beim Philharmonia Orchestra London, 1973 Debüt an der Wiener Staatsoper.

Mit dem legendären Opernhaus La Scala in Mailand verknüpfen sich Höhe- und Tiefpunkte in Mutis Karriere. Schon 1970 sollte er dort dirigieren, brach aber ab, weil er seine Ideen nicht durchsetzen konnte, und kehrte erst nach zehn Jahren an das Haus zurück. 1986 übernahm Muti dann von Claudio Abbado die Leitung der Scala. Fast zwanzig Jahre war er dort der mächtige Herrscher. Zu den spannendsten Produktionen zählten neben dem obligatorischen italienischen Repertoire Aufführungen von Wagner-Opern oder weniger bekannten italienischen Werken, etwa von Salieri oder Gluck oder neapolitanischen Komponisten des 18. Jahrhunderts. 2005 gab Maestro Muti an der Scala seinen Posten auf, als er seinen Wunschkandidaten als Intendant nicht durchsetzen konnte. Er schied im Streit und verkündete, nie wieder zurückkehren zu wollen.

Auch mit anderen Veranstaltern focht Muti immer wieder Kämpfe aus. So weigerte er sich nach Querelen mit Gérard Mortier, bei den Salzburger Festspielen Opern zu dirigieren, solange Mortier dort Intendant war.
2005 kehrte Riccardo Muti nach Salzburg zurück, und zwei Jahre später übernahm er sogar die Leitung der Salzburger Pfingstfestspiele. Seine Aktivitäten wählt der Maestro genau aus. So gab es 2010 das späte Debüt an der New Yorker Met, und jedes Orchester dirigiert Muti auch nicht. Er arbeitet intensiv mit den Wiener Philharmonikern und dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, neben seiner Chef-Position beim Chicago Symphony Orchestra. Von Riccardo Mutis Privatleben weiß man wenig, er ist verheiratet, hat zwei Söhne und eine Tochter, er lebt bei Ravenna und hat ein kleines Grundstück in Apulien mit Blick auf das Castel del Monte, eine kleine Burg, die er schon als Kind bewunderte.

Termine

Donnerstag, 09.01.2020 20:00 Uhr Kölner Philharmonie

Chicago Symphony Orchestra, Riccardo Muti

Prokofjew: Romeo und Julia & Sinfonie Nr. 3 c-Moll op. 44

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