Sanfter Abschied

CD-Rezension Alan Curtis

Sanfter Abschied

Alan Curtis, der große Pionier der historischen Aufführungspraxis, bringt noch einmal Händel zum Leuchten

Die letzte CD-Aufnahme des 2015 verstorbenen Alan Curtis beschäftigt sich mit mythologischen Figuren in Händels Opernschaffen. Dass sie lebendiger, packender, weniger akademisch geriet als viele ihrer Vorgänger, auch sanfter, liegt an den Solisten. Christiane Kargs bildschönes Timbre und ihre makellose Technik passen wundervoll zu Händel. Die Überraschung der Aufnahme ist Romina Basso. Mehr noch als ihr bekannt balsamisch geführter Alt begeistern ihre expressiven Rollenporträts, vor allem der wahnsinnigen Dejanira und der elegischen Arianna. Höhepunkt der Aufnahme sind allerdings die drei Duette. Besonders das letzte, aus einer frühen unbekannten Kantate, bereitet großen Spaß beim Hören und weist mit seinen schiefen Intervallen und anderen modern klingenden Klangwirkungen Händel als Komponisten aus, der seiner Zeit weit voraus war – und Alan Curtis noch einmal als Meister seiner Zunft.

Mitologia
Händel: Arien aus Parnasso in festa, Semele, Hercules, Apollo e Dafne, Atalanta, Arianna in Creta, Partenope & Echegiate, festeggiate numi eterni
Christiane Karg (Sopran)
Romina Basso (Mezzosopran)
Il Complesso Barocco
Alan Curtis (Leitung)
deutsche harmonia mundi

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2 Antworten zu “Sanfter Abschied”

  1. Gerd Greger sagt:

    Leider vergeht einem beim Hören der Spaß: Ich schätze Christiane Karg und besitze einige ihrer CDs und habe Konzerte von ihr besucht. In dieser Aufnahme ist ein nicht mehr akzeptabler Hall montiert worden. Das Timbre von Christiane Karg geht genauso wie die Wortverständlickeit unter, ihre Stimme wirkt aufgedreht verfremdet.
    Gleiches gilt für das Orchester und Romina Basso. Diese Aufnahme ist ein Ärgernis.

    Es ist eine Schande, eine handwerklich miserable Aufnahme, derart positiv zu besprechen.

    • Redaktion sagt:

      Sehr geehrter Herr Greger,

      Danke für ihr Feedback! Tatsächlich ist die Aufnahme in höheren dynamischen Bereichen leicht hallig, was ich allerdings eher der möglicherweise nicht idealen Akustik des gewählten Aufnahmeraumes zuschreibe als der Nachbearbeitung. Meines Erachtens wird jedoch hiervon die Qualität der Interpretation nicht wesentlich beeinträchtigt. Mutmaßlich sind unsere heterogenen Höreindrücke auch und vor allem unterschiedlichen Hifi-Anlagen geschuldet. Ich höre bewusst nicht mit einem High-End-System, weil der Großteil der Klassik-Hörer dieses gleichfalls nicht tut, wie ich aus Erfahrung weiß.

      Mich überzeugt Christiane Karg hier stärker als in der letzten Konzertarienaufnahme bei Berlin Classics, wo die Stimme gelegentlich leicht unter Druck geriet und etwas trocken wurde. Textverständlichkeit zähle ich sogar zu den Vorzügen dieser CD, hatte und habe diesbezüglich keinerlei Probleme, abgesehen von gelegentlichen pauschalen Vokalen in der Höhe. Die Balance zwischen Klang und Musik ist bei dem notwendigerweise kurzen Umfang unserer Rezensionen nicht immer leicht zu treffen. Als „Ärgernis“ kann ich aus meiner Sicht diese Aufnahme, vor allem wegen ihrer sängerischen Qualität, allerdings keinesfalls bewerten.

      Ihr

      Andreas Falentin

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