Eisige Weltverlorenheit

CD-Rezension Beatrice Rana

Eisige Weltverlorenheit

Die italienische Pianistin Beatrice Rana spielt Klavierkonzerte von Prokofjew und Tschaikowsky

Obwohl die beiden Werke gerade mal 40 Jahre auseinanderliegen, sind größere Kontraste kaum denkbar: hier Prokofjews widerborstiges Werk, tückisch schwer zu spielen (und selten live zu hören), da das klassische Virtuosenschlachtross, ein Abgesang auf die zu Ende gehende Romantik und zigfach eingespielt. Doch die grade mal 22-jährige Italienerin meistert diesen Spagat bravourös. Für Prokofjew bringt sie die nötige Härte und rhythmische Prägnanz mit – wie sie das Allegro tempestoso-Finale zur Kulmination treibt, hat eine schon fast anarchische Wucht. Aber sie besitzt auch das Gespür für die eisige Weltverlorenheit in den langsamen Passagen. Und auch ihr Tschaikowsky ist absolut konkurrenzfähig: mit Gefühl, aber nie sentimental, schlank und straff und technisch unanfechtbar spielt sie den Dauerbrenner. Antonio Pappano am Pult mischt eine Prise mediterrane Leichtigkeit in den Orchestersatz.

Prokofjew: Klavierkonzert Nr. 2, Tschaikowsky: Klavierkonzert Nr. 1
Beatrice Rana (Klavier), Orchestra dell´Academia Nazionale di Santa Cecilia, Antonio Pappano (Leitung)
Warner Classics

Weitere Rezensionen

Rezension Beatrice Rana – Strawinsky & Ravel

Gekonntes Taumeln

Beatrice Rana entgeht der Gefahr des Abgedroschenen und legt die jeweiligen musikalischen Kerne von Strawinsky und Ravel frei. weiter

Auch interessant

Opern-Kritik: Bayerische Staatsoper München – Die tote Stadt

Tod, Ekstase, Sumpf

(München, 18.11.2019) Die Korngold-Debütanten Marlis Petersen, Jonas Kaufmann und Kirill Petrenko bescheren der Bayerischen Staatsoper einen Applaus-Marathon, nur die Regie bleibt flach. weiter

Porträt Beatrice Rana

Mit Leichtigkeit

Mit ihrem außergewöhnlichen Talent meistert Beatrice Rana das schwerste Klavierrepertoire. Nebenbei hält sie Ausschau nach unbekannten Werken. weiter

Lieblingsstück Liza Ferschtman

Erich Wolfgang Korngold: Violinkonzert D-Dur op. 35

Die niederländische Geigerin Liza Ferschtman war schon als Kind berührt von der Musik Erich Wolfgang Korngolds. weiter

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *