Die Röte des Abends

CD-Rezension Philippe Jaroussky

Die Röte des Abends

Erstmals auf Deutsch: Philippe Jaroussky irritiert und verzaubert mit Kantaten von Bach und Telemann

In dieser Aufnahme zieht Philippe Jaroussky sich auf das zurück, was er am besten kann. Mit ebenmäßiger Linienführung bringt er sein einmaliges Timbre zum Leuchten. Besonders in den Rezitativen geht er sehr sorgfältig mit der für ihn neuen gesungenen deutschen Sprache um. Gerade den selten eingespielten Telemann-Kantaten bleibt Jaroussky allerdings jede Dramatik schuldig. Elegisch, fast andächtig singend tastet er sich durch diese Musik, merkwürdig nüchtern begleitet vom sonst so brillanten Freiburger Barockorchester. Der innere Konflikt des „am Ölberg zagenden Jesus“ mag so nicht entstehen, die sauberen, aber leblosen Koloraturen umreißen und gestalten keinen konkreten Affekt. Auch die Lautwelt der Sprache verschwimmt in den Arien. Wenn er hingegen Bachs Schlummert ein, ihr matten Augen anstimmt, möchte man sofort gehorchen und selig hinüber dämmern, wo auch immer hin!

Sacred Cantatas
Bach: Kantaten „Ich habe genug“ BWV 82 & „Vergnügte Ruh“ BWV 170, Telemann: Kantaten TWV 1: 364 & 983
Philippe Jaroussky (Countertenor), Freiburger Barockorchester
Erato

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