Szenisches „Weihnachtsoratorium“ an der Deutschen Oper am Rhein

Das Christkind in der weltlichen Stadtgesellschaft

Bachs „Weihnachtsoratorium“ erklingt als „Szenen einer schlaflosen Nacht“ in einer heutigen musiktheatralen Fassung.

© Susanne Diesner

Chor, Orchester und nicht weniger als vierzehn Solisten nimmt er beim „Weihnachtsoratorium“ unter seine Fittiche: GMD Axel Kober

Chor, Orchester und nicht weniger als vierzehn Solisten nimmt er beim „Weihnachtsoratorium“ unter seine Fittiche: GMD Axel Kober

Selbst hartgesottene Feiertagsverweigerer und Familientreffenmuffel werden schwach, wenn es um Weihnachten geht. Ob es an frühkindlichen Prägungen oder am kommerziellen Druck der einschlägigen Lebkuchen-, Stollen- und Zimtsterne-Industrie liegt, es ist jedenfalls nahezu ein Ding der Unmöglichkeit, sich diesem christlichen Fest gänzlich zu verweigern. Die Musik, die dann gespielt wird, ist natürlich erstklassig, angeführt von Johann Sebastian BachsWeihnachtsoratorium.“ Wenn der Chor zu Beginn „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage“ erklingen lässt, gibt es stimmungsmäßig wohl kein Halten mehr.

Aus dem Oratorium werden „Szenen einer schlaflosen Nacht“

Die Deutsche Oper am Rhein versucht nun, das „Weihnachtsoratorium“ in einer heutigen Version als opernhafte „Szenen einer schlaflosen Nacht“ auf die Bühne zu bringen. Die Regisseurin Elisabeth Stöppler, die Bühnenbildnerin Annika Haller und die Kostümbildnerin Su Sigmund werden sich in Moment- und Nahaufnahmen ganz unterschiedlichen Menschen einer weltlichen Stadtgesellschaft zuwenden. Berichtet wird von der Sehnsucht nach Zugehörigkeit, Heimat und Nähe, aber auch von Einsamkeit, Kummer und Scheitern, ohne die Hoffnung auf Licht, Wärme, Zukunft zu vergessen. Zusammen mit dem Chor werden alle sechs Teile des „Weihnachtsoratoriums“ in einer musiktheatralen Fassung erklingen.

Die Figuren entspringen unserem Alltag, es werden eine Geschäftsfrau ebenso wie ein Bauarbeiter auftreten, eine Barkeeperin und ein Sportlehrer, eine alleinstehende Frau und ein Fremder, Maria und ein Atheist. Man darf gespannt sein, wie sich dieses zeitgenössische Figurenensemble die biblischen Texte und die Worte etwa von Paul Gerhardt und Martin Luther zu eigen machen wird – und was uns das inhaltlich-atmosphärisch erzählen wird. Ein mutiges Unterfangen, das sich Elisabeth Stöppler vorgenommen hat, solcherart die Schattenseiten der Festtage mitzuthematisieren. Seit 2014 ist sie Hausregisseurin am Staatstheater Mainz, überdies Dozentin für Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Und jetzt ist sie vielleicht die postdramatische Überschreiberin von Bachs „Weihnachtsoratorium“.

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