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Helmuth Rilling ist tot

Zum Tod von Helmuth Rilling

Der bedeutende Bach-Dirigent Helmuth Rilling ist im Alter von 92 Jahren gestorben.

vonconcerti,

Der Dirigent, Kirchenmusiker und Gründer der Internationalen Bach-Akademie Stuttgart Helmuth Rilling ist tot. Er wurde 92 Jahre alt. Mit ihm verliert die Musikwelt eine ihrer prägenden Gestalten der Nachkriegszeit. Mehr als sieben Jahrzehnte war sein Name Synonym für eine ebenso gewissenhafte wie leidenschaftliche Auseinandersetzung mit geistlicher Musik, allen voran dem Œuvre Johann Sebastian Bachs.

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Geboren am 29. Mai 1933 in Stuttgart, wuchs Rilling in einem protestantisch geprägten Umfeld auf. Nach Studien in Stuttgart und Rom wandte er sich früh der Chorarbeit zu. 1954 gründete er die Gaechinger Cantorey, 1965 folgte das Bach-Collegium Stuttgart. Mit diesen Ensembles entwickelte er einen Klang, der Transparenz und Wärme verband und sich bewusst moderner Instrumente bediente, ohne den Anspruch historischer Informiertheit aus dem Blick zu verlieren. Rilling suchte nicht den musealen Rückzug, sondern die lebendige Verkündigung der Musik. „Musik darf nie bequem sein, nicht museal, nicht beschwichtigend. Sie muss aufrütteln, die Menschen persönlich erreichen, sie zum Nachdenken bringen“, lautete sein Motto.

Von Stuttgart in die Welt

1981 gründete Rilling die Internationale Bachakademie Stuttgart, die fortan in der Fachwelt hochgeschätzte Wegmarken in der Aufführung und Vermittlung der Musik Bachs setzte – einem Anspruch, dem die Akademie auch nach dem Rückzug Rillings 2013 bis heute einlöst. In Gesprächskonzerten brachte er einem breiten Publikum die Feinheiten des bachschen Kosmos dar. Pünktlich zum 250. Todestag des Thomaskantors erschien unter Rillings Leitung die weltweit erste Aufnahme sämtlicher Vokalwerke Bachs. Ein Großprojekt, das nicht nur von Ausdauer zeugt, sondern auch ein klares interpretatorisches Statement gesetzt hat: Klarheit im Satz, sprachliche Prägnanz und ein theologisches Bewusstsein für Text und Dramaturgie zeichnen die Aufnahme aus. Sein Wissen gab Rilling als Professor für Chorleitung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main weiter.

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Auch international wirkte er als Brückenbauer. 1970 mitgründete er im US-amerikanischen Eugene das Oregon Bach Festival, das sich fortan zu einem zentralen Forum der Bach-Pflege in Nordamerika entwickelt hat. Im selben Jahr stand er als erster deutscher Dirigent nach Ende des Zweiten Weltkriegs am Pult des Israel Philharmonic Orchestra.

Helmuth Rilling verstand Musik als geistige und gesellschaftliche Aufgabe. Sein Vermächtnis liegt nicht nur in der umfassenden Diskografie, sondern in Institutionen, die weiterwirken, und in einem Stil des Musizierens, der Präzision mit innerer Anteilnahme verbindet. Wie kein Zweiter hat Rilling das Verständnis Bachs im 20. Jahrhundert mitgeprägt.

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