Mozart: Sinfonie Nr. 35 D-Dur KV 385 „Haffner“

(UA Wien 1783)

Auf Bestellung der befreundeten Salzburger Kaufmanns- und Bürgermeisterfamilie Haffner hatte Mozart schon 1776 eine Serenade für eine Hochzeit geschrieben; diesmal ging es um eine Festmusik für eine Erhebung in den Adelsstand. Mozart stand unter Zeitdruck: „Ich muß die Nacht dazu nehmen, anderst kann es nicht gehen“. Er hatte Die Entführung aus dem Serail eben hinter sich und die Vorbereitungen zu seiner Hochzeit mit Constanze Weber vor sich. Als er den ersten Satz seinem Vater schickte, schrieb er dazu: „Mein Herz ist unruhig, mein Kopf ist verwirrt.“ Kurz nach der Aufführung erbat er die Noten für eine Akademie in Wien zurück und stellte fest: „Die Haffner-Sinfonie hat mich supreniert (überrascht) – dann (denn) ich wußte kein Wort mehr davon – die muß gewiß guten Effect machen!“ Er reduzierte die Sinfonie jetzt auf vier Sätze und führte sie mit sehr gutem Effekt auf – auch der Kaiser applaudierte begeistert.

Ist es nicht, als spiegelte sich in der Haffner-Sinfonie Mozarts junge Ehe?

Das männlich imponierende Hauptthema des ersten Satzes Allegro con spirito mit seinem raumgreifenden Anfangsintervall (zwei Oktaven!) und seinem bestimmenden Rhythmus, der sich aber im weiteren Verlauf als sensibel und spirituell erweist, beherrscht den ganzen Satz und trägt das weiblich anmutige Seitenthema auf den Händen. Dieses – mangels eigenem Bassfundament anlehnungsbedürftig – sinkt in liebevoll gestikulierender Zweistimmigkeit dem Hauptthema in die Arme ... daraus entwickelt sich eine „reife“ Schlussgruppe: Das Hauptthema wird „wesentlich“ (um die Hälfte verkürzt), zeigt sich „ernsthaft“ (in einer Moll-Variante) und kadenziert freudig.

Schade, dass Vater Mozart diese Musik nicht verstand (oder verstehen wollte) und mit seinem Missmut über die Heiratspläne seines Sohnes diesem das Herz unruhig und den Kopf verwirrt machte.

Im Andante beginnt das Hauptthema „artig“, nähert sich aber bald schäkernd dem tänzelnden Seitenthema. Ein klangvoller Mittelteil über dunklen Bassgängen bildet den ernsten Kontrast.

Das Menuett zeigt zwei Gesichter: ein offizielles und ein schelmisches; die Pause dazwischen kaschiert – kompositorisch meisterhaft – einen harmonischen Trick: Die Tonart sackt ab – das schelmische Gesicht erscheint nicht neben, sondern unter dem offiziellen.

Das Trioein schmuckes Brautlied in hellem A-Dur – hat das Zeug zu einem Schlager.

Das Hauptthema des Finale presto streckt zweimal frech die Zunge heraus, dann läuft es ab – lautes Lachen folgt. Das Seitenthema – mit seinen edlen Harmonien – droht mit dem Zeigefinger, muss dabei aber selbst lächeln. Zwischen den beiden Themen dieses Rondos zucken ausgelassene Achtelfiguren wie blitzender Lebensmut ...

„Das erste Allegro muss recht feurig gehen“, schrieb Mozart, „das letzte so geschwind, als es möglich ist“ – viel Glück!

(Mathias Husmann)