Schumann: Sinfonie Nr. 4 d-moll op. 120

(UA 1851 Düsseldorf)

„Wahrhaftig, meine nächste Symphonie soll Clara heißen, und ich will sie dann abmalen mit Flöten, Hoboen und Harfen“ – und so ist sie auch, die d-moll Symphonie: eine schwarzhaarige Schönheit mit hellen Augen, streng und leidenschaftlich. Dabei gelang das Bild nicht auf Anhieb: 1841 als Symphonische Phantasie geschrieben, wurde sie erst 1851 nach erheblicher Umarbeitung veröffentlicht.

Die Vierte Symphonie ist Schumanns eigenständigster Beitrag zur Sinfonik. Seine sinfonische Fantasie überschlägt sich: nichts entspricht traditioneller Form, alles ist offen, alles ist in ständiger Entwicklung, alle vier Sätze bilden einen einzigartigen Zusammenhang.

Die unruhig um einen Ton kreisende Einleitung wird in der Romanze zu einem träumerischen Nachtstück mit schwärmerischen Violinsolo; dieses kehrt im Scherzo als walzerartig schwingendes Trio wieder. Die Exposition des 1. Satzes hat nur ein vorläufiges, Toccata-artiges Hauptthema und kein Seitenthema; das eigentliche, Marsch-artige Hauptthema bildet sich erst in der Durchführung. Das liebliche Seitenthema in seinem Gefolge übernimmt die Führung über den weiteren Satz. Die Reprise des Hauptthemas erfolgt zunächst verschleiert zu Beginn des Scherzos (in Moll), dann offen (in Dur) zu Beginn des Finales. Das Marschthema des 1.Satzes wird somit zum Hauptthema der ganzen Symphonie.

Bezaubernd wirkt die Romanze in ihrem Mischklang von Oboe und Violoncello; unvergeßlich aber bleibt die langsame Überleitung zum Finale: das Scherzo ist eingeschlafen, nun geht die Sonne auf – man braucht nicht zu wissen, daß das erhabene Posaunenmotiv über dem Tremolo das riesig verbreiterte Hauptthema ist, um von der Schönheit dieses Augenblicks ergriffen zu sein.

Schumann konnte musikalisch jubeln – am Ende seiner Vierten war ihm danach zumute!

(Mathias Husmann)

Werk der Woche – Schumann: Sinfonie Nr. 4

Für Clara zum Geburtstag

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