Schumann: Sinfonie Nr. 2 C-Dur op. 61

(UA 1846 Leipzig)

„Die Symphonie schrieb ich im Dezember 1845 noch halb krank; mir ist's, als müßte man ihr dies anhören.“ Der innere Weg des Werkes ist ein langwieriger Genesungsprozeß.

Der 1. Satz beginnt verhangen, mit langsamen Streicherbewegungen in der Tiefe – wie ein umherschleichender Kranker. In der Höhe künden ferne Trompetensignale von vergangenen oder kommenden besseren Tagen. Die Einleitung braucht ziemlich lange, um sich zum rhythmisch geprägten, lebhaften Hauptteil aufzuraffen. Durchhalten und kämpfen – das ist hier die Losung.

Der 2. Satz heißt Scherzo, steht aber in grader Taktart – zum Tanzen fehlt die Laune; er ist eher eine trotzige Toccata (gefürchtet von den Violinisten!) mit zwei Trios: einem übermütigen und einem demütigen. In der Coda dreht das Temperament auf und auch das Trompetensignal der besseren Tage meldet sich.

„Sonst aber, wie gesagt, erinnert sie mich an eine dunkle Zeit.“

Der 3. Satz ist sehr langsam, und sehr ergreifend in der Schönheit seines leidenden Ausdrucks.

„Erst im letzten Satz begann ich mich wieder zu fühlen.“

Das Finale stürmt los, aber die ziellos wilde Bewegung dreht sich bald im Kreis, gerät ins Stocken und sinkt in sich zusammen. Nach einer großen Generalpause wandelt sich der Ton: die Genesung beginnt, aus dem leidenden Ausdruck wird ein dankbarer Hymnus. Die Einleitung bringt sich aufleuchtend in Erinnerung – als finge die Symphonie nun erst richtig an. Das Trompetensignal verkündet: die besseren Tage sind da.

(Mathias Husmann)