Verdi: Nabucco

(UA Mailand 1842)

Bevor Verdi Nabucco zu schreiben begann, war er ein 27-jähriger Selbstmordkandidat. Binnen weniger Monate waren sein Töchterchen, sein Söhnchen und seine geliebte Frau Margherita gestorben; eine unter diesen Umständen entstandene komische Oper wurde in der Mailänder Scala ausgepfiffen. Verdi schwor, nie wieder eine Note zu schreiben, aber der Impresario Bartolomeo Merelli stopfte ihm ein Libretto in die Manteltasche, das Otto Nicolai abgelehnt hatte. In seiner Absteige angelangt, warf Verdi das Libretto auf den Tisch: „Das Heftchen hatte sich geöffnet und ohne es zu wissen, fielen meine Augen auf folgenden Vers: Va, pensiero, sull’ali dorate – Flieg, Gedanke, auf goldenen Flügeln ...“ Merelli hatte Verdi die Aufführung gleich nach Beendigung der Partitur zugesagt. Verdi bestand darauf, auch, weil er eine bestimmte Sängerin als Abigail wünschte: Giuseppina Strepponi. Am Morgen nach der Premiere war Verdi berühmt, und Giuseppina trat in sein Leben.

 

Die vier Teile haben plakative Überschriften:

Jerusalem – auch 587 v. Chr. herrschte dort kein Frieden.

Der Frevler – Nabucodonosor, Nabucco, auch Nebukadnezar genannt, wirft sich zum Gott auf und wird mit Wahnsinn gestraft.

Die Prophezeihung – die gefangenen Israeliten träumen von einer goldenen Zukunft – in Frieden.

Das zertrochene Götzenbild – Jehova setzt ein Zeichen.

 

Verdis Musik ist für die Sänger anspruchsvoll, teilweise extrem (Abigail), im Orchester aggressiv und rhythmisch, das Melos ist glühend und von hinreißendem Schwung.

Nabucco wurde im damaligen Italien sofort politisch verstanden, Verdis Name wurde später zur Chiffre der Unabhängigkeitsbewegung: V.E.R.D.I. = Vittorio Emanuele, Re d’Italia.

Bei Verdis Begräbnis sang Italien: Va, pensiero, sull’ali dorate.

(Mathias Husmann)

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