Verdi: Simon Boccanegra

(UA Venedig 1857, endgültige Fassung: Mailand 1881)

Der in Genua populäre Korsar Simon (Simone) Boccanegra – er befreite die Stadt vom Zugriff der Seeräuber – hat ein uneheliches Kind mit Maria, Tochter des Edelmannes Fiesco. Dieser verweigert ihm seine Zustimmung zur Ehe, sperrt seine Tochter ein und gibt das Kind in fremde Obhut.

Erschütternd: der Moment, als Simone vom Tod seiner Geliebten erfährt, während ihn das Volk zum Dogen ausruft. Zwanzig Jahre später besucht der Doge die Villa der Patrizierfamilie Grimaldi. Sein Vertrauter Paolo Albiani möchte Amelia, die Tochter des Hauses, heiraten, und der Doge soll für ihn werben.

Bewegend: das Duett, in dem Simone in Amelia Grimaldi seine Tochter erkennt. Da Amelia ihr Herz schon dem Genueser Gabriele Adorno geschenkt hat, teilt Simone Paolo kurz mit, dass er verzichten müsse. Wütend entführt Paolo zusammen mit dem Abenteurer Lorenzo das Mädchen, aber Gabriele befreit sie, dabei tötet er Lorenzo.

Gewaltig: die aufgebrachte Ratsversammlung der Genueser Parteien. Zunächst streiten Patrizier und Plebejer – gegeneinander, und miteinander gegen Venedig –, dann zieht ein Volksaufstand alles in seinen Bann. Die Menge fordert den Kopf des Dogen als Rache für Lorenzos Tod. Jemand hat das Gerücht gestreut, der Doge sei der Anstifter der Entführung Amelias, deren Verhältnis zu ihm noch unbekannt ist. Amelia erscheint im Rat und sagt aus, nicht der Doge sei der Anstifter gewesen, dieser sei aber anwesend ...

Großartig: das von Amelia angeführte Friedensensemble auf Worte des Dichters Petrarca, der im 15. Jahrhundert die Genueser und Venezianer – aus Liebe zum gemeinsamen Vaterland – zum Frieden aufrief.

Dramatisch: Simone hat Paolo als Anstifter durchschaut, stellt ihn zwar nicht bloß, zwingt ihn aber, den noch unerkannten Verbrecher vor allen Anwesenden zu verfluchen.

In der Nacht träufelt Paolo Gift in Simones Schlaftrunk und fordert Gabriele auf, den Dogen zu ermorden, wozu dieser aus Eifersucht bereit ist. Als er mit dem Messer in der Hand vor dem schlafenden Dogen steht, erfährt er von Amelia, dass dieser ihr Vater ist.

Schmerzvoll: das Terzett, in dem Simone mit sich ringt, ob er Gabriele – auf Bitten von Amelia – verzeihen darf.

Grandios: Der sterbende Boccanegra und Fiesco versöhnen sich, da Fiesco in Amelia seine Enkelin erkennt. Die Anwesenden im Saal und das Volk vor dem Palast intonieren gemeinsam das Requiem – ein raumakustisch genialer Effekt.

Simon Boccanegra ist in Zeiten des Unfriedens Verdis aktuellste Oper. Amelia ist der Friedensengel – geradezu symbolisch ist sie in Verdis Werk die einzige Frauenfigur, die – nach ausgestandenem Leid – am Schluss in eine helle Zukunft blickt.

(Mathias Husmann)