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Köthener Bachfesttage 2020

Konzerte trotz Corona? – Ein Festival zeigt, wie’s geht

Die Bachfesttage laufen anders als geplant – aber senden ein ermutigendes Signal.

vonRoland H. Dippel,

Vor seiner Berufung zum Thomaskantor war Johann Sebastian Bach sechs Jahre Hofkapellmeister in Köthen. Ihm war die Stelle so bedeutsam, dass er in Weimar 1717 eine Haftstrafe erduldete, um aus seinem dortigen Vertrag freizukommen. In Köthen ist auch Radialsystem-Mitbegründer Folkert Uhde als künstlerischer Leiter am für ihn richtigen Ort. Der Erfinder des zukunftsfähigen Wortes „Konzertdesign“ erinnert daran, dass es im frühen 18. Jahrhundert keine Konzertsäle gab und die Anzahl der Hörer oft nicht jene der ausführenden Musiker überstieg.

Natürlich gibt es bei den Konzerten, Porträts und Präsen­tationen der Köthener Bachfesttage mehr Zuhörer als Mitwirkende. Dennoch ist der anhaltinischen Stadt, die im Modellprogramm „TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel“ mit 1,25 Millionen Euro gefördert wird, eine entschleunigte Atmosphäre zu eigen. Bei den Bachfesttagen vom 2. bis 6. September werden die vor dem Lockdown angekündigten Interpreten auftreten. Nur sind die über den ganzen Tag bis in den frühen Abend verteilten Konzerte mit einer Dauer von 45 Minuten etwas kürzer und werden mehrfach wiederholt. Nach der Absage der Händel-Festspiele Halle gastiert hier auch Valer Sabadus als frisch gekürter Träger des Händelpreises der Stadt Halle.

Auch dieses Jahr gestaltet das 2016 gegründete Köthener Bach-Colletiv mit der Geigerin Midori Seiler mehrere Konzerte, unter anderem mit der von John Eliot Gardiner und Václav Luks geschätzen Sopranistin Hana Blažíková. Für je dreißig Zuschauer spielt Ragna Schirmer am 2. September in der Agnes-Kirche Bachs in Köthen entstandene Goldberg-Variationen. Sebastian Küchler-Blessing gestaltet mehrere Orgelkonzerte und improvisiert über Wunschstücke von Konzertbesuchern. Thomas Fritzsch (Viola da gamba) stellt mit Dorothea Vogel (Violine) und Shalev Ad-El (Cembalo) im Wilhelm-Friedemann-Bach-Saal von ihm entdeckte Kompositionen des in Köthen geborenen Carl Friedrich Abel vor. Neben dem Spiegelsaal im Schloss Köthen, von dem mehrere Räumlichkeiten derzeit ungenutzt sind, stehen im als Veranstaltungszentrum bezeichneten Bauensemble drei weitere Säle für Konzerte zur Verfügung. Bei einem Konzert­spaziergang wird Live­musik aus dem Spiegelsaal und dem Johann-Sebastian-Bach-Saal in den Schlosspark übertragen.

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