„Monat der zeitgenössischen Musik“ in Berlin

Hyperventilierende Freude am Experiment

Der „Monat der zeigenössischen Musik“ flutet ganz Berlin mit Performances und Klangkunst.

© Klaus Erich Dietl

Agente Costura

Agente Costura

Die zeitgenössische Musik hat es schwer. Sie wird nicht verstanden, findet an komischen Orten statt, muss sich mit der Finanzierung herumschlagen und hinterfragt sich ständig selbst. Mit anderen Worten: Sie ist quicklebendig! Denn sie fordert Energie von allen Beteiligten. Und auch vom Publikum. Hinsetzen, stillsitzen, an den richtigen Stellen klatschen und dann dämmrig nach Hause gehen? Nein, die Mission ist eine andere. Zum nunmehr dritten Mal nimmt der „Monat der zeitgenössischen Musik“ ganz Berlin in Beschlag, präsentiert in Konzerten, Performances und Klanginstallationen aktuelle Arbeiten Berliner Komponisten, Künstler und Ensembles und stellt die neuen Erfahrungen auch zur Diskussion. Dass die vollen dreißig Tage mit 147 Veranstaltungen an 65 Spielstätten angefüllt sind, hat einen einfachen Grund: Gleich mehrere Festivals haben sich zusammengetan, um die Vielseitigkeit der Szene zu demonstrieren. Dabei sind unter anderem das Berliner Festival für aktuelles Musiktheater BAM!, das Musikfest Berlin sowie Kontakte ’19.

„Monat der zeitgenössischen Musik“: Klangkunst im Zentrum der Betrachtung

Als thematischen Schwerpunkt rücken die Veranstalter die Klangkunst in das Zentrum der Betrachtung. Während das zeitgenössische Musiktheater oder die Livemusik gut definiert erscheint und ihre Akteure intensiv vernetzt sind, hat die hybride Kunstform zwischen Musik und bildender Kunst immer noch mit Akzeptanz und Aufmerksamkeit zu kämpfen. Dabei könnte der wild­wuchernde Output gerade ein Publikum ansprechen, das in der agilen Clubkultur Berlins unterwegs ist. So haben sich die Videokünstlerin Jemma Woolmore und der Komponist Julius Holtz zusammengetan, um mit „Strange Loop“ den ehemaligen Kleinen Wasserspeicher im Prenzlauer Berg künstlerisch zu fluten. Zum Einsatz kommt auch ein „Selbstoszillierendes Tamtam“.

Verwirrend? Vielleicht. Wer den Überblick behalten will, schaut in das aktuelle „field notes“-Magazin, das regelmäßig über die zeitgenössische Szene in Berlin berichtet. Mit gewagter Typografie nähert sich das stets hervorragend informierte Magazin den facettenreichen Aspekten des Festivals, das gerade wegen seiner hyperventilierenden Freude am Experiment den einen oder anderen Zeitgenossen für die Musik der Gegenwart begeistern könnte.

Sehen Sie den Trailer zum diesjährigen „Monat der zeitgenössischen Musik“:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

concerti-Tipp:

Monat der zeitgenössischen Musik Berlin
1.-30.9.2019
Global Adapter, Valery Gergiev, Ensemble Offspring, Trio Catch u. a.
Philharmonie, Deutsche Oper, Akademie der Künste u. a.

Auch interessant

Opern-Kritik: Komische Oper Berlin – Orfeo ed Euridice

Orpheisches Zank- und Glücksmysterium

(Berlin, 23.1.2022) David Bates steigert die geniale Gluck-Partitur zum Thriller, Damiano Michielettos Regie steht Harry Kupfers legendärer Inszenierung von 1987 in nichts nach. Ein Triumph auf ganzer Linie. weiter

„Antikrist“ an der Deutschen Oper

Traktiert von der eigenen Schlechtigkeit

In der Kirchenoper „Antikrist“ des Dänen Rued Langgaard treibt der Teufel sein Umwesen. weiter

Komische Oper Berlin: „Üçüncü Mevki – Im Wagen dritter Klasse“

Zugfahrt durch Menschenlandschaften

Die Komische Oper Berlin nimmt ihre Zuschauer mit auf eine Zugfahrt, bei der nicht die Landschaft, sondern die Reisenden im Mittelpunkt stehen, vorgestellt durch Musik und Poesie. weiter

Kommentare sind geschlossen.