3 Fragen an Wladimir Kaminer

3 Fragen an … Wladimir Kaminer

Wladimir Kaminer erzielte mit seinem Erzählband „Russendisko“ internationale Erfolge. Einen Draht zur Klassik hat der Schriftsteller bereits seit seiner Kindheit.

© Jan Kopetzky

Wladimir Kaminer

Wladimir Kaminer

Was ist für Sie das Besondere an klassischer Musik und Oper?

Meine Bekanntschaft mit der Oper und dem Ballett habe ich meiner Mutter zu verdanken, die keine Vorstellung am Bolschoi-Theater verpasste. Als Kind hat mich irritiert, mit welchem Aufwand diese Kunstart verbunden ist. Die Menschen strengen sich an, um etwas sehr Banales zu sagen wie: „Die Liebe ist stärker als der Tod“. Später habe ich verstanden, dass die Botschaft eine andere ist. Oper und Ballett, überhaupt klassische Musik veredelt unser Treiben. Die Ästhetik ist die Mutter der Ethik. So prägt uns klassische Musik, ob wir sie nun hören oder nicht. 

Wie war Ihr Zugang zu klassischer Musik in Ihrer Kindheit?

Ich bin in einem musikalischen Land aufgewachsen. Wir haben im Grunde genommen nichts anderes gemacht als die ganze Zeit gesungen und getanzt. Die Jungs spielten alle Gitarre, die Mädchen Klavier – aber nur, wenn sie nicht in die Ballettschule durften. 

Gibt es Komponisten, die in einer „Russendisko“ ihre Daseinsberechtigung hätten?

Eigentlich alle. Die aktuelleren Musikrichtungen, die in Clubs gespielt werden, beziehen sich ja auf die Klassik. Es gibt eine klare Verbindung von Bach zu Rap oder Hip-Hop. Mir gehen von Skrjabin über Wagner bis Strawinsky viele durch den Kopf, bei denen ich mir vorstellen kann, dazu zu tanzen. Meine Lieblingskomponisten sind aber Arvo Pärt und Vladimir Martynov, weil ich glaube, dass sie die klassische Musik zukunftsfähig machen.

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