TV-Tipp 13.1. Mariss Jansons dirigiert Brahms' Zweite

Freudvolle Zweite

„Die neue Symphonie ist so melancholisch, daß Sie es nicht aushalten.“ Dass sich Brahms mit dieser Ankündigung einen gehörigen Scherz erlaubte, zeigen Mariss Jansons und das BR-Symphonieorchester.

© gemeinfrei

Johannes Brahms: Sinfonie Nr 2. Deckblatt der Erstausgabe, 1878

Johannes Brahms: Sinfonie Nr 2. Deckblatt der Erstausgabe, 1878

Auch ein Großer wie Johannes Brahms stand noch lange im Bann des übermächtigen Beethovens. Selbst, als er längst ein berühmter Mann mit einer repräsentativen Wohnung am Wiener Karlsplatz war und im Musikverein ein- und ausging. Erst 1877 hatte sich Brahms endlich zu seiner ersten Sinfonie durchgerungen, ein Werk, das seinen Schöpfer beschäftigte wie kaum ein anderes Werk.

Selbstzweifel selbst nach der erfolgreichen Uraufführung seiner zweiten Sinfonie

Die erste Sinfonie wird gerne als „Pathetische“ bezeichnet, wohingegen seine zweite Sinfonie als „Pastorale“ in die Musikgeschichte eingegangen ist. Die ersten beiden Sinfonien sind unmittelbar nacheinander in den Jahren 1876 und 1877 entstanden. Daraus wird oft der Schluss gezogen, dass es sich um Gegensatzpaare handele: die zweite Sinfonie als optimistisches Gegenstück zur ernsten ersten Sinfonie.

Dabei ist Brahms’ Zweite tatsächlich kein Werk, bei dem die erste Niederschrift gleich die gültige Fassung darstellt, selbst wenn Komposition und Uraufführung im selben Jahr stattfanden. Auch nach der umjubelten Uraufführung waren die Selbstzweifel des Komponisten noch nicht restlos verschwunden.

Endlich konnte Brahms sich als souveräner Sinfoniker mit eigener musikalischer Sprache behaupten

Innerhalb von wenigen Monaten im Sommer 1877 komponierte Johannes Brahms seine zweite Sinfonie, als der Komponist zum ersten Mal in Pörtschach am Wörthersee einen Sommerurlaub verbrachte. Der Grund für diesen für Brahms ungewöhnlich kurzen Zeitraum war gewiss das Gefühl einer „künstlerischen Befreiung“, das sich nach dem jahrelangen Ringen um seine Erste einstellte.

Nun konnte er sich als souveräner Sinfoniker behaupten, der sich zwar bewusst mit dem Erbe Beethovens auseinandersetzte, jedoch mit einer eigenen musikalischen Sprache, wie das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Mariss Jansons in der Konzertaufzeichnung aus dem Herkulessaal in München eindrücklich darstellt.

concerti-Tipp:

So. 13.1., 10:15 Uhr
BR Fernsehen
Brahms: Sinfonie Nr. 2 D-Dur
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons (Leitung)

Auch interessant

Radiotipp 11.10. Brahms: Ein deutsches Requiem hr2

Requiem zum Trost

Bei seinem „Deutschen Requiem“ ging es Johannes Brahms nicht um Trauer, sondern um Trost. hr2 überträgt das Konzert mit Christiane Karg und Michael Nagy live aus der Alten Oper. weiter

Tutzinger Brahmstage 2019

Wo es schöner ist, als wir uns vorstellen können

Bei den Tutzinger Brahmstagen 2019 trifft ein erlesenes Kammermusikprogramm auf János Darvas Dokumentarfilm „Wären nicht die Frauen“. weiter

Porträt Bergen Philharmonic Orchestra

Wie in Ruhe gereifter Rotwein

Wie das traditionsreiche Bergen Philharmonic Orchestra Johannes Brahms mit seelenvoll singendem Sound zu einem der Seinen macht. weiter

Kommentare sind geschlossen.