TV-Tipp 27.10.: Marina Abramović und die Kunst des Hörens

Grenzgängerin

Marina Abramović zählt zu den bekanntesten Performance-Künstlerinnen weltweit. In Frankfurt lud sie das Publikum zu einer ungewöhnlichen Hörerfahrung ein.

© Dusan Reljin

Marina Abramović

Marina Abramović

Im März verwandelte sich der Konzertsaal der Alten Oper Frankfurt kurzerhand in eine Projektwerkstatt. Denn die Perfomance-Künstlerin Marina Abramović übernahm dort für eine Woche das Zepter und bereitete insgesamt 2.000 Menschen darauf vor, Musik – in diesem Fall klassische Musik – „anders“ zu hören. Zunächst wollte sie das Publikum in verschiedenen Workshops zu mehr Achtsamkeit verhelfen, die in unserer heutigen, schnelllebigen Welt vielerorts verloren gegangen ist.

Dazu mussten die Teilnehmer unter anderem Reiskörner sortieren, einander schweigend gegenübersitzen oder mit verbundenen Augen im Raum umhergehen. Diese Übungen nennt sie „Abramović-Methode“. Handys und Uhren musste man vor der Veranstaltung abgeben. Ziel der Workshops und Vorbereitungen war das Abschlusskonzert, zu dem Marina Abramović Künstler wie Fazıl Say, Nicolas Altstaedt oder Carolin Widman eingeladen hatte.

Die Performances von Marina Abramović sind kontrovers und lebensgefährlich

Marina Abramović, geboren 1946 im ehemaligen Jugoslawien, zählt mit ihren Performances seit den 1970er Jahren zu den bekanntesten Künstlerinnen der Branche. Ihre Auftritte sind kontrovers und zum Teil lebensgefährlich: 1974 forderte sie in Neapel die Besucher in ihrer Performance „Rhythm 0“auf, diverse Gegenstände, darunter auch Waffen, an ihr auszuprobieren. Schlagzeilen machte sie auch mit „The Artist is Present“ im New Yorker Museum of Modern Art, als sie tagelang stumm und unbewegt auf einem Stuhl saß. Besucher konnten sich ihr gegenübersetzen und nur mit Blicken mit ihr kommunizieren.

Die Dokumentation nimmt das Projekt der Abramović-Methode in der Alten Oper zum Anlass, um das Leben und Wirken der Künstlerin insgesamt zu beleuchten, und zeigt die wichtigsten Stationen ihrer Karriere auf. Nach Ausstrahlung ist die Dokumentation noch bis zum 25. Januar 2020 in der Mediathek zu sehen.

concerti-Tipp:

Marina Abramović und die Kunst des Hörens
27.10.2019, 22.50 Uhr
arte

Auch interessant

Opern-Kritik: Oper Frankfurt – Pénélope

Zweifel und Sehnsucht

(Frankfurt, 1.12.2019) Die Inszenierung von Corinna Tetzel zeigt den Zerfall der geschlechtlichen Rollenmuster um 1900 in packenden, dabei oft plakativen Bildern. weiter

Holzhausenkonzerte: Streichquartettfesttage 2019

Vier Ensembles geben sich die Klinke in die Hand

Bei den Streichquartettfesttagen 2019 bildet Franz Schubert den roten Faden. weiter

Radiotipp 11.10. Brahms: Ein deutsches Requiem hr2

Requiem zum Trost

Bei seinem „Deutschen Requiem“ ging es Johannes Brahms nicht um Trauer, sondern um Trost. hr2 überträgt das Konzert mit Christiane Karg und Michael Nagy live aus der Alten Oper. weiter

Kommentare sind geschlossen.