Uraufführung: Fazıl Say Sinfonie Nr. 4

Hoffnungs-Sinfonie

In der barocken Altstadt Dresdens ist Raum für Zeitgenössisches: Am 25. August wird die Dresdner Philharmonie zur Saisoneröffnung die 4. Sinfonie von Fazıl Say uraufführen

© Marco Borggreve

Say Fazil

Say Fazil

Dank der Meister der Wiener Klassik und der Komponisten des 19. Jahrhunderts avancierte die Sinfonie zu einer Gattung, in der fundamentale Fragestellungen des allgemein Menschlichen verfolgt werden können. Seit Beethovens bahnbrechenden Leistungen auf diesem Gebiet ist sie ein zum Podium für philosophische Betrachtungen über das Leben.

Wenn die Dresdner Philharmonie am 25. August Beethovens 2. Sinfonie aufführt, in der er den musikalischen Ausdruck radikal verdichtete, forscht einer dieser Entwicklung nach, die den Weg zu seiner Sinfonie Nr. 3 vorzeichnete. Hier spürte er dem Heldischen nach und begegnete später, ganz besonders prominent, in seiner Fünften dem Schicksal.

Stakkato-Lärm und musikalische Störfeuer

Genau dieses Erbe wird in Dresden fortgeführt, wenn die Dresdner Philharmonie am gleichen Abend unter der Leitung von Michael Sanderling ein neues Werk aus der Taufe heben wird. Fazıl Say, der für diese Spielzeit Composer in Residence an der oberen Elbe ist, hat eine Sinfonie mit dem Beinamen „‚Umut’ (Hoffnung)“ geschaffen – eine Musik, die vor dem Hintergrund von Terror, Krieg und Verfolgung in unserer Zeit entstanden ist. In seinem Werk bringt Say zum Ausdruck, dass es die Hoffnung ist, die uns Menschen auch bei solch erschütternden Erfahrungen verbindet.

© Markenfotografie

Die Dresdner Philharmonie im Konzertsaal des Kulturpalasts Dresden

Die Dresdner Philharmonie im Konzertsaal des Kulturpalasts Dresden

In der Partitur seines etwa 40-minütigen Werkes setzt Say ein Hoffnungsthema, das er immer wieder mit lärmenden Stakkatopassagen konfrontiert. An anderen Stellen kommen von anderen Orchestergruppen brutal klingende musikalische „Störfeuer“, gegen die es sich zu behaupten gilt. Im Abschnitt „Party“ nimmt Say schließlich auf ein ganz konkretes Ereignis Bezug: den Terroranschlag auf den Istanbuler Club „Reina“ in der Silvesternacht 2016. 39 Menschen kamen damals ums Leben.

Fazıl  Say – Komponisten als Solisten

Beim Konzert am 25. August wird Say auch als Solist auftreten und Beethovens „Sturm-Sonate“ op. 31/2 spielen. Damit führt er eine weitere Tradition der Musikgeschichte fort: Bei Uraufführungen ihrer Werke treten Komponisten, in vielen Fällen auch selbst virtuose Solisten, oft an ihrem Instrument auf.

Wer übrigens weder bei der Uraufführung noch bei der Wiederholung des Programms am 26. August dabei sein kann, hat Gelegenheit, Fazıl Say am 25.4.2019 bei einem Rezital im Kulturpalast zu erleben – mit weiteren Eigenkompositionen.

Hier eine Dokumentation zu Says Sinfonie Nr. 2:

Termine

Dienstag, 22.09.2020 20:00 Uhr Stadttheater Ingolstadt

Fazıl Say, Georgisches Kammerorchester Ingolstadt, Ruben Gazarian

Haydn: Sinfonien Nr. 17 F-Dur & Nr. 37 C-Dur, Mozart: Klavierkonzert Nr. 12 A-Dur KV 414, Say: Klavierkonzert Nr. 2 „Silk Road“

Mittwoch, 18.11.2020 20:00 Uhr Gasteig München

Fazıl Say, Münchner Philharmoniker, Thomas Hengelbrock

Zimmermann: Heroische Prosodie, Mozart: Klavierkonzert A-Dur KV 414, Beethoven: Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 „Eroica“

Donnerstag, 19.11.2020 20:00 Uhr Gasteig München

Fazıl Say, Münchner Philharmoniker, Thomas Hengelbrock

Zimmermann: Heroische Prosodie, Mozart: Klavierkonzert A-Dur KV 414, Beethoven: Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 „Eroica“

Freitag, 20.11.2020 20:00 Uhr Gasteig München

Fazıl Say, Münchner Philharmoniker, Thomas Hengelbrock

Zimmermann: Heroische Prosodie, Mozart: Klavierkonzert A-Dur KV 414, Beethoven: Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 „Eroica“

Mittwoch, 10.03.2021 20:00 Uhr Prinzregententheater München

Fazıl Say

Schubert: Klaviersonate Nr. 19 c-Moll D 958, J. S. Bach: Goldberg-Variationen BWV 988

Freitag, 12.03.2021 19:30 Uhr Stadttheater Fürth

Fazıl Say

J. S. Bach: Goldberg-Variationen G-Dur BWV 988, Schubert: Klaviersonate Nr. 19 c-Moll D 958

Dienstag, 23.03.2021 20:00 Uhr Elbphilharmonie Hamburg

Fazıl Say, Tonhalle-Orchester Zürich, Paavo Järvi

Schumann: Klavierkonzert a-Moll op. 54, Tschaikowsky: Sinfonie Nr. 4 f-Moll op. 36, Pärt: Silouan’s Song „My Soul Yearns after the Lord“

Freitag, 02.04.2021 20:00 Uhr Komische Oper Berlin

Fazil Say, Burcu Karadag, Ney Hakan Güngör, Aykut Köserli, Orchester der …

Mozart: Klavierkonzert Nr. 1 F-Dur KV 37, Klavierkonzert Nr. 12 A-Dur KV 414, Say: Istanbul Symphony

Samstag, 05.06.2021 19:30 Uhr Laeiszhalle Hamburg

Serenad Bağcan, Fazıl Say

Say: Erste Lieder op. 5

Auch interessant

Interview Fazıl Say

„Ich bin mit dieser Doppelrolle quasi allein“

Fazıl Say über seine Arbeit als Pianist und Komponist, das Musikleben in der Türkei und Ludwig van Beethoven. weiter

ECHO Klassik 2017: Fazıl Say

In Mozarts Welt

Fazıl Say erhält 2017 einen ECHO Klassik für seine Einspielung sämtlicher Klaviersonaten von Wolfgang Amadeus Mozart weiter

Kurz gefragt Fazıl Say

„Ich stehe für eine Idee, die vielen Hoffnung macht“

Wenn Fazıl Say den Mund aufmacht, gefällt das nicht jedem Konzertbesucher – vor allem aber nicht dem türkischen Präsidenten. Hier spricht der Pianist über ... weiter

Rezensionen

Rezension Fazıl Say – Beethoven: Klaviersonaten

Unerwartete Akzente

Bei Fazıl Says spannender Interpretation der Beethoven-Sonaten hört man weit geführte Linien, Dissonanzen und bohrende Begleitstimmen. weiter

Rezension Fazıl Say – Troy Sonata

Heimatklänge

Musik voller Energie und atmosphärischer Imagination: Fazıl Says bewundernswerte Doppelbegabung als Tastenvirtuose und Komponist. weiter

Rezension Fazıl Say – Debussy & Satie

Frühe Moderne

Pianist Fazıl Say beleuchtet eindrucksvoll die Bezüge zu Erik Satie, mit Debussys Préludes und Saties Gnossiennes und Gymnopédies. weiter

Kommentare sind geschlossen.