Opern-Feuilleton: 75 Jahre Komische Oper Berlin

Die Geburtsstätte des modernen Musiktheaters blickt zurück – und nach vorn

Die Komische Oper Berlin feiert ihr 75-jähriges Jubiläum und lässt die Geschichte des Hauses in allen Formen lebendig werden.

© Gunnar Geller

Im Gegensatz zur schlichten Außenfassade gibt sich der Innenraum der Komischen Oper prunkvoll

Im Gegensatz zur schlichten Außenfassade gibt sich der Innenraum der Komischen Oper prunkvoll

Wahre Schönheit strahlt von innen. Auf welches Gebäude träfe dieser Satz wohl eher zu als auf die Komische Oper Berlin? Die schlichte Fassade, die dem Haus von außen den Anstrich eines Funktionsgebäudes gibt und mit der DDR-Architekt Kunz Nierande in den Jahren 1965 und 1966 dem Ideal der Moderne huldigte, steht im starken Kontrast zum neobarocken Innenraum, an dem die 75-jährige Geschichte des Musentempels bis heute ablesbar ist. Am 23. Dezember 1947 öffnete mitten in der zerstörten Stadt die neu gegründete Komische Oper am Ort des ehemaligen Metropol-Theaters zum ersten Mal ihre Türen. Der Aufführungssaal war in den Kriegswirren zu großen Teilen erhalten geblieben, die Außenmauern wurden wieder instandgesetzt, als erstes Stück wurde Johann Strauss’ Operette „Die Fledermaus“ gegeben. Als Intendant und Chefregisseur prägte Walter Felsenstein fast drei Jahrzehnte lang das künstlerische Profil der Komischen Oper, die unter seiner Leitung zur Geburtsstätte des modernen Musiktheaters wurde. Der gebürtige Österreicher setzte sich für eine Aufführungspraxis ein, in der Musik und szenische Handlung eine künstlerische Einheit bilden und durch gute Verständlichkeit eine unmittelbare Wirkungung entfalten. So wurden sämtliche Opern in deutscher Sprache aufgeführt – eine Tradition, die von Felsensteins Nachfolgern Joachim Herz, Harry Kupfer, Andreas Homoki und Barrie Kosky beibehalten wurde. Dass die Komische Oper ihren Namen der französischen Opéra comique entlehnt, mithin nicht auf die leichte Muse, sondern auf ein zeitgemäßes, lebendiges Musik­theater zielt, ist vielen Menschen ebenso wenig bewusst wie die Tatsache, dass am Haus mit dem 1966 von Tom Schilling gegründeten Ballett bis in die 2000er Jahre hinein auch Tanzgeschichte geschrieben wurde.

Mehr als fünfzig Jahre nach dem ersten äußeren Umbau steht ab der kommenden Spielzeit eine umfassende Sanierung, Modernisierung und Erweiterung des Hauses mit neuen Büros, Räumen für Proben und kulturelle Vermittlungsarbeit sowie einer Dachterrasse an. Fast 440 Millionen Euro soll der Umbau kosten, währenddessen der Spielbetrieb wohl für Jahre in das Schillertheater ausweichen wird. Zuvor gibt es aber noch Anlass zum Feiern: Für den 23. Dezember inszeniert Opern- und Filmregisseur Axel Ranisch eine festliche Gala, mit der die 75-jährige Geschichte des Hauses an der Behrenstraße in Bild und Ton zelebriert wird. Die Erste Kapellmeisterin Erina Yashima leitet durch das musikalische Programm mit Solisten, Chorsolisten und dem Orchester der Komischen Oper Berlin.

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