Das Kölner Kammerorchester spielt Haydn

Bei Liebe helfen keine Pillen

Das Kölner Kammerorchester poliert Haydns Opernjuwel „Lo speziale“ auf

© Sonja Werner

Kölner Kammerorchester

Kölner Kammerorchester

Nikolaus I., mit Beinamen „der Prachtliebende“, ließ für sein kleines Versailles am Neusiedlersee gleich zwei Theater bauen, denn der Fürst liebte es heiter: eines für die italienische Oper sowie das Sprechtheater und ein zweites für Marionettentheater. Joseph Haydn, der von 1761 bis 1790 Kapellmeister bei den Esterházys war, hatte die Aufgabe, die beiden Bühnen zu bespielen.

Zur Eröffnung des Opernhauses 1768 komponierte er eigens ein neues Werk angeblich nach dem Libretto von Carlo Goldoni: Der ältere Apotheker Sempronio hat für seinen Beruf wenig übrig und außerdem ganz andere Pläne: Er möchte seine reiche Pflegetochter Griletta heiraten. Doch mit dieser Absicht ist er nicht allein, denn es warten bereits zwei weitere Verehrer auf ihre Chance.

Der durchtriebene Plan eines Abgeblitzten

Da ist zum einen der verschlagene Volpino und zum anderen der gutmütige Mengone. Griletta zuliebe arbeitet dieser in der Apotheke und wurde sogar bereits von dem Mädchen ermutigt, bei ihrem Vormund um ihre Hand zu bitten. Der abgeblitzte Volpino schmiedet unterdessen einen durchtriebenen Plan: Er erscheint als Pascha im Gefolge seiner als Türken verkleideten Dienerschaft.

Griletta erkennt den Verkleideten, der vorgibt, die Apotheke kaufen zu wollen, in Wirklichkeit aber Griletta entführen möchte. Als sich Sempronio dagegen wehrt, beginnen er und seine Bande alles kurz und klein zu schlagen. Mengone eilt heldenhaft zu Hilfe und darf sich als Dank schließlich mit Griletta verloben.

Wiederentdecktes Opernjuwel von Haydn

Das Werk in Minibesetzung mit nur vier Solisten, sieben Bläsern, Streichern und Cembalo war zunächst nicht besonders erfolgreich, zudem wurde ein Teil des Notenmaterials bei einem Brand zerstört. Der dritte Akt von „Lo speziale“ ging fast vollständig verloren. Erst Ende des 19. Jahrhunderts sorgte eine Rekonstruktion der Oper für ihre Wiederentdeckung.

Für die halbszenische Aufführung dieses kurzweiligen wie einzigartigen Opernjuwels hat das Kölner Kammerorchester den niederländischen Alte-Musik-Spezialisten Jan Willem de Vriend gewinnen können.

concerti-Tipp:

Haydn: Lo speziale
Sa. 17.2., 20 Uhr
Mit:Virpi Räisänen, Marina Zyatkova, Álvaro Zambrano, Piotr Micinski, Kölner Kammerorchester, Jan Willem de Vriend (Leitung)
Ort: Kölner Philharmonie

Termine

Donnerstag, 05.12.2019 20:00 Uhr hr-Sendesaal Frankfurt (Main)

Haydn: Lo speziale (konzertant)

Marina Zyatkova & Virpi Räisänen (Sopran), Álvaro Zambrano (Tenor), Piotr Micinski (Bass), Jan Willem de Vriend (Leitung), Eva Buchmann (Regie)

Freitag, 06.12.2019 20:00 Uhr hr-Sendesaal Frankfurt (Main)

Haydn: Lo speziale (konzertant)

Marina Zyatkova & Virpi Räisänen (Sopran), Álvaro Zambrano (Tenor), Piotr Micinski (Bass), Jan Willem de Vriend (Leitung), Eva Buchmann (Regie)

Freitag, 01.05.2020 19:00 Uhr Felsenkeller Leipzig

Quirine Viersen, MDR-Sinfonieorchester, Jan Willem de Vriend

Haydn: Cellokonzert C-Dur Hob. VIIb:1, Beethoven: Ouvertüre zu „Die Geschöpfe des Prometheus“ & Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 „Pastorale“

Samstag, 02.05.2020 15:00 Uhr Historischer Kursaal Bad Lauchstädt

Quirine Viersen, MDR-Sinfonieorchester, Jan Willem de Vriend

Haydn: Cellokonzert C-Dur Hob. VIIb:1, Beethoven: Ouvertüre zu „Die Geschöpfe des Prometheus“ & Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 „Pastorale“

Freitag, 19.06.2020 18:00 Uhr Galerie Herrenhausen

Ronald Brautigam, NDR Radiophilharmonie, Jan Willem de Vriend

Rosetti: Sinfonie g-Moll, Haydn: Klavierkonzert D-Dur Hob. XVIII:11, Biber: Sonata Jucunda D-Dur C. App 121, Zelenka: Ouverture à 7 concertanti F-Dur ZWV 188

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