Thorsten Schmid-Kapfenburg im Porträt

Auf Goethes Spuren

Thorsten Schmid-Kapfenburg ist nicht nur ein renommierter Dirigent, er komponiert auch – und beruft sich dabei auf die Spätromantik

Thorsten Schmid-Kapfenburg © Oliver Berg

Thorsten Schmid-Kapfenburg

In Berlin soll es irgendwann gerumst haben. Vielleicht auch nur geknirscht. Das war vor mehr als einem Jahrzehnt. Im Jahr 2000 war Thorsten Schmid-Kapfenburg an die Spree gewechselt, nach rund neunjähriger Tätigkeit als Kapellmeister am Theater in Kiel. Als er an die Deutsche Oper kam, hatte Christian Thielemann dort das musikalische Sagen. Nicht einfach, auch nicht für Schmid-Kapfenburg. Irgendwann muss eine Klimaverschlechterung eingetreten sein.

Im Sommer 2004 wechselte Thielemann schließlich nach München, und auch der in Hamburg aufgewachsene Thorsten Schmid-Kapfenburg suchte sich neue Ziele. Er ging als Zweiter Kapellmeister an die Städtischen Bühnen nach Münster – und liebt diese Aufgabe, nahezu frei von Verwaltungs-Bürden. Seit 2007 ist er außerdem Chefdirigent der Alten Philharmonie Münster, die von ehemaligen Mitgliedern des Studentenorchesters ins Leben gerufen wurde, um auf hohem Level weiter zu musizieren.

„Wenn ich komponiere, berufe ich mich auf die Spätromantik“

In den 80ern hatte Thorsten Schmid-Kapfenburg Komposition bei Detlev Glanert studiert und einige Kammermusikwerke geschrieben, dazu die Kammeroper „Hadaly“. 2002 komponierte er eine Musik nach primär literarischem Motiv: er kleidete das „h e a e es“ (hetaera Esmeralda)-Thema aus Thomas Manns „Doktor Faustus“ in eine  Fantasie für Trompete und Orgel.

Nach einigen Pausen-Intermezzi findet Thorsten Schmid-Kapfenburg inzwischen wieder mehr Zeit fürs Komponieren, zumal er in Berlin einen Verlag hinter sich weiß, der seine Werke auch ediert. „Wenn ich komponiere, berufe ich mich auf die Spätromantik“, ordnet er seine stilistische Heimat ein. Diese hat er vor allem bei Korngold und Zemlinsky gefunden, aber auch in der Nordischen Musik, bei Sibelius oder Kurt Atterberg.

Thorsten Schmid-Kapfenburg vertont Goethe

2017 hat er sein erstes Streichquartett komponiert, „Selige Sehnsucht“ lautet der Untertitel und bezieht sich auf Goethes gleichnamiges Gedicht aus dem „West-östlichen Divan“, einer jener Goethe-Texte, die mehr Fragen als Antworten aufwerfen. Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass sich Schmid-Kapfenburg (zumindest indirekt) auf Goethes berühmte Sammlung bezieht. Bereits vor gut drei Jahren hatte er eine Konzertsuite geschrieben, für Oud, Streichorchester und Pauken. Damals lautete der Titel: „Ein West-östlicher Divan“.

concerti-Tipp:

3. Rathauskonzert
Do. 14.12, 19:30 Uhr
Mit: Mendelssohn Quartett u.a.
Ort: Münster

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