Zum 10. Todestag von Luciano Pavarotti

Sein hohes C ist noch nicht verklungen

Nie zuvor hat ein Opernsänger wie Luciano Pavarotti die Massen derart bewegt: Heute jährt sich sein Todestag zum zehnten Mal

© Universal Music

Luciano Pavarotti

Luciano Pavarotti

Herbert von Karajan nannte ihn einen „Jahrhunderttenor“, Jürgen Kesting indes bezeichnete Luciano Pavarotti als „Tenor GmbH & Co. KG mit einem Sänger im Angebot“. Recht hatten sie beide, obwohl die Wahrheit wohl dazwischen liegt. Dass Pavarotti dank seines ungewöhnlichen Maßes an Kopfresonanzen und vor allem dank seines ebenso strahlenden wie, wenn man einmal vom Ende seiner Karriere absieht, sicheren hohen C zu den außergewöhnlichsten und besten Tenören überhaupt gehört, steht außer Frage.

Pavarotti, der 1961 am Opernhaus von Reggio nell’Emilia in Puccinis „La Bohème“ sein Operndebüt als Rudolfo gab, brillierte in allen großen Häusern dieser Welt. Egal ob in Mailand, Wien, London oder New York – überall wurde er umjubelt. 1988 heimste er an der Deutschen Oper Berlin nach einer Aufführung von Donizettis „L’Elisir d’amore“ sogar den bis heute ungeschlagenen Weltrekord für den längsten Schlussapplaus ein: 165 Minuten und 117 Vorhänge.

Die Marke Luciano Pavarotti

Womit hier Jürgen Kesting mit seiner Äußerung Recht hat, denn Pavarotti, der mit Spitznamen wie „Big P“ oder „Lucianissimo“ bedacht wurde, wusste seine Erfolge auf den Opernbühnen der Welt für sich zu nutzen, damit aus dem Tenor nicht nur ein Startenor wurde, sondern ein Megastar, der sich letztlich dank des geschickten Marketings seines langjährigen Managers Herbert Breslin zur weltweit erfolgreichen Marke ausbauen ließ.

© Carlos Picasso/Decca

Luciano Pavarotti © Carlos Picasso/Decca

Luciano Pavarotti

Pavarotti, der Zeit seines Lebens lediglich dreizehn Opernpartien einstudierte (kein Vergleich also zu Plácido Domingo, der derzeit bei 148 unterschiedlichen Rollen ist) und das französische Repertoire nur für Studioaufnahmen beachtete, trat ab 1981 bewusst seltener in Opern auf, um dafür immer häufiger Großkonzerte zu geben und im Fernsehen aufzutreten – was eine extrem große Beliebtheit beim Opern-fernen Publikum zur Folge hatte. Schnell war das Bild des dicken, bärtigen Tenors mit engelsgleicher Stimme geboren, dessen Markenzeichen ein überdimensional großes weißes Taschentuch während seiner Auftritte war. Selbst seinen privaten Kleidungsstil wusste er dank diverser bunter Hermés-Tücher zur dunklen oder wahlweise grellbunten Schlabbergewandung zur Marke auszubauen.

Megastar im Stadion

Seinen Marketinghöhepunkt erreichte Pavarotti im Jahr 1990, als er anlässlich der Fußballweltmeisterschaft zusammen mit Carreras und Domingo ein Konzert in den Caracalla-Thermen gab, das live im Fernsehen übertragen wurde und sage und schreibe eine Milliarde Zuschauer erreichte. Es war die Geburtsstunde der „3 Tenöre“, die fortan ganze Stadien füllen sollten. Während Carreras und Domingo dem Opernkosmos verpflichtet blieben, wurde aus Pavarotti ein Popstar. Seine Interpretation von „Nessun Dorma“ schaffte es als erste Opernarie überhaupt in die Pop-Charts; zu seinem Konzert im New Yorker Central Park kamen 1993 500.000 Zuschauer – und auch seine Crossover-Konzerte mit den Popstars der 90er, die unter dem Titel „Pavarotti and Friends“ firmierten, begeisterten die Massen und sorgten für rekordartige CD-Umsätze.

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Luciano Pavarotti und Sheryl Crow

Luciano Pavarotti und Sheryl Crow

Wobei die einmalig hohen Gagen und enormen CD-Einnahmen für Pavarotti zweitranging waren. Er wollte vor allem Menschen für die Oper begeistern, die sonst nicht an Klassik interessiert waren, wie er einmal dem Fanblatt „Ovation“ bestätigte: „Wenn ich ein Opernhaus mit 10.000 Plätzen füllen könnte, indem ich im Fernsehen Magarine verkaufen würde, täte ich das und wäre stolz darauf.“ Ihm ging es primär also nie ums Geld, was ihm, vor allem nach seinem Steuerhinterziehungsprozess, oft unterstellt wurde, sondern um die Liebe der Masse und dem damit einhergehenden Ruhm, den er auch in vollen Zügen genoss. Doch mehr als das eigene Ego lag ihm immer und ausschließlich das Publikum am Herzen, das seiner Meinung nach immer Recht hatte. Dementsprechend gingen ihm zum Ende seiner Karriere hin, als das hohe C nicht mehr ganz so zuverlässig saß und es vereinzelte Buh-Rufe beim Abschlussapplaus gab, diese Meinungsäußerungen sehr nahe.

Das Ende einer Legende

2004 beendete Pavarotti seine aktive Bühnenkarriere, trat aber bis zur seiner Krebsdiagnose im Jahr 2006 noch bei Konzerten auf. Er starb am 6. September 2007 im Alter von 71 Jahren in seiner Heimatstadt Modena.

Luciano Pavarotti, Marketinggenie und Jahrhunderttenor in Personalunion, konnte die Massen ebenso begeistern wie Opernkenner und Kritiker, die seine helle, lyrische Stimme ebenso schätzten wie die dramatischen Partien im späteren Verlauf seiner Karriere und seinen Verismo am Ende, ist auch nach zehn Jahren nicht vergessen. Seine Rekorde leben ebenso weiter wie seine Erfolge. Und wie seine Stimme, die auch in hundert Jahren noch Menschen bewegen wird.

Pavarottis „Nessun Dorma“ ist nach wie vor legendär:

Diese Canzone begleitete den Tenor durch seine ganze Karriere:

Pavarotti in London:

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Eine Antwort zu “Sein hohes C ist noch nicht verklungen”

  1. amparo sagt:

    Als ich lass dass man Pavarotti in einem Konzert ausgebuht hatte konnte ich es einfach nicht glauben. Was für welche Idioten. Was haben diese Idioten vorzuweisen eben nichts. Solche Idioten sind einfach nur zum Fremdschämen.

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