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Rezension Fazıl Say – Schubert: Klaviersonate B-Dur D 960

Morose Wolken und strahlender Sonnenschein

Wenn Fazıl Say Sonaten von Berg und Schubert kombiniert, trifft analytische Schärfe auf anrührend leidenschaftliche Klangrede.

vonJan-Hendrik Maier,

Nachdem Fazıl Say zuletzt Verbindungslinien zwischen französischem Barock und Impressionismus nachgespürt hat, meldet er sich mit einer höchst reizvollen Gegenüberstellung zurück: Alban Bergs an der Wegscheide zur Moderne stehende Klaviersonate trifft auf Schuberts endzeitliche, tiefgründige letzte Sonate B-Dur D 960. Bergs einsätziges Werk, das zwar noch lose in h-Moll verankert ist, aber mit seinen extremen harmonischen Wendungen die spätere Entwicklung der Tonsprache hin zum A- und Zwölftonalen bereits andeutet, liegt hier analytisch klar und scharf artikuliert vor. Says Herangehensweise an Schubert ist indes hochemotional. Der fast 20-minütige Kopfsatz zeichnet sich durch großen Vorwärtstrieb, organische Stimmungswechsel, klug gedachte Betonungen und dynamische Varianz in den Wiederholungen aus. Das Andante gerät ungemein intensiv, die Gegensätze zwischen morosen Wolken und strahlendem Sonnenschein sind berührend ausgestaltet. Das Scherzo nimmt Say mit fast schon juveniler Frische, das Finale teils eruptiv. Was man an Eleganz im Spiel hier und da vermisst, wird durch Leidenschaft ausgeglichen.

Schubert: Klaviersonate B-Dur D 960, Berg: Klaviersonate op. 1

Fazıl Say (Klavier)
Warner Classics

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