Nicht mehr erste Liga

Rezension Ivo Pogorelich – Beethoven & Rachmaninow

Nicht mehr erste Liga

Einzig das Konzept von Ivo Pogorelich überzeugt, zwei selten gespielte Beethoven-Sonaten der zweiten Klaviersonate Rachmaninows gegenüberzustellen.

Interessantes Konzept von Ivo Pogorelich, zwei experimentelle – und selten gespielte – Beethoven-Sonaten der zweiten Klaviersonate Rachmaninows gegenüberzustellen, um damit Beethovens Einfluss auf spätere Komponisten aufzuzeigen. Leider aber beweist diese Aufnahme, dass der mittlerweile 60-jährige Kroate, der vor 40 Jahren kometengleich in den Pianistenhimmel aufgestiegen war, heute nicht mehr in die erste Liga gehört. Die agogischen Freiheiten, die bei Rachmaninow angebracht sind, wirken bei den Beethoven-Sonaten Nr. 22 op. 54 und Nr. 24 op. 78 manieriert. Dazu ignoriert Pogorelich vor allem in op. 54 das Gros der Dynamikbezeichnungen ebenso wie die „dolce“-Anweisung zu Beginn des Allegrettos, das er wie ein Berserker durchpflügt. Mag er auch den Weltschmerz des zweiten Rachmaninow-Satzes überzeugend herausarbeiten – den Ecksätzen mangelt es an emotionaler Entfesselung wie pianistischer Grandezza.

© Alfonso Batalla

Ivo Pogorelich

Ivo Pogorelich

Beethoven: Klaviersonaten Nr. 22 & 24
Rachmaninow: Klaviersonate Nr. 2 b-Moll op. 36

Ivo Pogorelich (Klavier)
Sony Classical

Termine

Donnerstag, 01.10.2020 20:00 Uhr Philharmonie Essen

Ivo Pogorelich

Klavier-Festival Ruhr
Sonntag, 21.02.2021 20:00 Uhr Prinzregententheater München

Ivo Pogorelich

J. S. Bach: Englische Suite Nr. 3 g-Moll BWV 808, Beethoven: Klaviersonate Nr. 11 B-Dur op. 22, Chopin: Barcarolle Fis-Dur op. 60 & Prélude cis-Moll op. 45, Ravel: Gaspard de la nuit

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