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Rezension Jean Rondeau – D. Scarlatti: Cembalosonaten

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Jean Rondeau möchte Geschichten erzählen, hier die experimentelle Auseinandersetzung des Kammervirtuosen Scarlatti mit der Gattung Sonate.

Die Schwierigkeiten für Pianisten bei Domenico Scarlatti beginnen bei der Auswahl. 555 Sonaten haben enyzklopädischen Charakter. Cembalist Jean Rondeau hat 15 Werke herausgepickt und sie in der Mitte des Albums um ein halbminütiges „Interludium“ angereichert. Rondeau möchte mit seinen Aufnahmen Geschichten erzählen, hier die experimentelle Auseinandersetzung des Kammervirtuosen Scarlatti mit der Gattung Sonate. Da gibt es etwa in Sonate K 141 Takte, die so düster drängend wirken, als habe Beethoven Pate gestanden. Dann gibt es in K 175 Passagen mit ungewöhnlichen Beschleunigungen. Rondeau spielt glasklar und zeigt Scarlatti als aufwühlenden Komponisten, als Revolutionär en miniature. Mag Rondeau hier und dort grenzwertig extrem, nahe am Manierierten spielen: Er wagt viel, und gewinnt kaum weniger. Eine mutige Aufnahme, frech und überbordend, die am Ende mit K 481 melancholisch schließt.

D. Scarlatti: Cembalosonaten K. 6, 30, 69, 119, 132, 141, 162, 175, 180, 208, 213, 216, 460 & 481
Anonymus: Interlude

Jean Rondeau (Cembalo)
Erato

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