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Rezension Magdalena Kožená – L’extase

Wesensverwandt

Mit filigraner Sinnlichkeit zeigen Mezzosopranistin Magdalena Kožená und Pianstin Mitsuko Uchida Verbindungen zwischen Messiaen und Debussy.

vonRoland H. Dippel,

Olivier Messiaen war ein großer Anhänger Claude Debussys. Das hört man in den beiden Liedgruppen „Poèmes pour Mi“, die inzwischen zu den wichtigen Liedzyklen des 20. Jahrhunderts und fast zum Standardrepertoire zählen. Bei der zweiten Gruppe holt der weiß schimmernde Mezzosopran von Magdalena Kožená zu dramatischen Aufschwüngen aus. Davor gibt es gedehntes Schwelgen und zu artistischer Preziosität pulverisierte Erotik aus dem filigran luxurierenden Schaffen Debussys. Mitsuko Uchida setzt subtile Akkorde, auf denen Koženás Stimme alterslos balanciert und mit einer Diktion wie von einem anderen Stern artikuliert. Die leichte vokale Artikulation und der mit bemerkenswerter Mischung aus Hingabe und Nüchternheit gestaltete Klavierpart fallen aus der Zeit. Die kostbaren Fluchtpunkte klingen wie eine friedliche Revolution gegen die Konkretisierung von Affekten. In diesem Sinne sind die beiden Interpretinnen ideal für Debussy, der mit Archaismen, sensitiven Aufbrüchen in die frühe Moderne und diffusen Klängen gegen spätromantische und naturalistische Konkretisierung opponierte. Andererseits bleiben die Unterschiede zu den Ausdrucksdimensionen Messiaens auf hohem Niveau unscharf.

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Mitsuko Uchida (l.) und Magdalena Kožená
Mitsuko Uchida (l.) und Magdalena Kožená

L’extase
Debussy: Trois Chansons de Bilitis, Cinq Poèmes de Baudelaire & Ariettes oubliées, Messiaen: Poèmes pour Mi (Zweite Gruppe)

Magdalena Kožená (Mezzosopran), Mitsuko Uchida (Klavier)
Pentatone

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