Tief ausgelotet

CD-Rezension Nicolas Altstaedt

Tief ausgelotet

Schostakowitsch und Weinberg waren zu Lebzeiten befreundet – eine gute Idee, sie mit ihren Cellokonzerten in einen Dialog zu setzen

So wünscht man sich das Cellokonzert Nr. 1 von Dimitri Schostakowitsch, frei von Sentiment und Pathos, aber zupackend, mit Ecken, Kanten und Tiefgang. Michał Nesterowicz gelingt mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin ein transparenter Klang mit scharfen Konturen. Vor allem auch die Bläser bestechen durch Klarheit, das gesamte Orchester glänzt mit sehr differenzierten Dynamik-Abstufungen und gestaltet die elegischen Momente bezwingend. Solist Nicolas Altstaedt spielt auf den Punkt mit atmosphärischer Gestaltung und feinsten Nuancen. Merkwürdigerweise flacht nur seine Solokadenz etwas ab. Dafür ist er durchgehend souverän im Cellokonzert des mit Schostakowitsch befreundeten Mieczysław Weinberg. Tiefer Ernst und Direktheit erzeugen hier einen kräftigen Sog, zarte Linien wachsen zu mächtigen Klanggebäuden an, wechseln zu Tanzrhythmen und Klezmer-Anklängen. Überzeugend wird das Spektrum dieses Werks von allen Mitwirkenden ausgelotet.

Schostakowitsch: Cellokonzert Nr. 1 Es-Dur op. 107, Lutosławski: Mala Suita, Weinberg: Cellokonzert c-Moll op. 43
Nicolas Altstaedt (Violoncello), Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Michał Nesterowicz (Leitung)
Channel Classics

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Termine

Donnerstag, 02.09.2021 18:00 Uhr Die Glocke Bremen
Donnerstag, 02.09.2021 21:00 Uhr Die Glocke Bremen
Samstag, 04.09.2021 21:00 Uhr Kammermusiksaal Berlin
Donnerstag, 23.09.2021 19:30 Uhr Schloss Esterházy Eisenstadt
Donnerstag, 21.10.2021 20:00 Uhr Philharmonie Essen

Nicolas Altstaedt, Orchestre des Champs-Élysées, Philippe Herreweghe

Brahms: Tragische Ouvertüre d-Moll op. 81, Schumann: Cellokonzert a-Moll op. 129, Dvořák: Sinfonie Nr. 7 d-Moll op. 70

Mittwoch, 09.03.2022 20:00 Uhr Residenz München
Freitag, 11.03.2022 20:00 Uhr Residenz München
Mittwoch, 23.03.2022 20:00 Uhr Philharmonie Berlin

Nicolas Altstaedt, Junge Deutsche Philharmonie, Dima Slobodeniouk

Salonen: Cellokonzert, Schönberg: Pelleas und Melisande op. 5, Wagner: Vorspiel zu „Lohengrin“

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