150 Jahre Theater Altenburg

Im Wandel der Zeit

Das geschichtsträchtige Theater Altenburg feiert sein 150-jähriges Bestehen mit einer digitalen Gala im Video-Stream.

© Ronny Ristok

Theater Altenburg

Theater Altenburg

„Ein Altenburg muss sein in der deutschen Theaterwelt“, sagte der kommissarische Intendant Karl Weber in seiner Silvesteransprache 1946. Und im Januar 1947 feierte man das Jubiläum „75 Jahre Landestheater Altenburg“ mit der Festwoche „Stolze Tradition im Rampenlicht“. Auch jetzt gibt es einen Grund zum Feiern für das heutige Fünfspartentheater Altenburg Gera: Am 16. April jährt sich zum 150. Mal die Eröffnung des schönen Hauses unter dem Schloss der Spielkartenstadt Altenburg.

Die Achsen zu Bayreuth

Die Geschichte des Herzoglichen Hoftheaters und Landestheaters Altenburg spiegelt mitteleuropäische Theatergeschichte exemplarisch in einem schillernden Spektrum von Licht und Schatten – durch das Gebäude, seinen Standort und seine Geschichte(n). Heute gehört es zum Freistaat Thüringen, in dessen regionalen Parzellen die Durchlauchten der Kleinstaaten gerne Sinfonien oder ganze Opern komponierten und um 1900 offenbar nichts lieber waren als zum Beispiel Theaterdirektor in Meiningen oder Dramaturg in Gera.

Auf Wunsch von Herzog Ernst I. von Sachsen-Altenburg gestaltete man das Hufeisenhaus mit drei Rängen nach dem Vorbild des Semperbaus des Königlichen Hoftheaters Dresden. 1904 wurde der Bau um eine klassizistische Fassade vor dem Halbrund der Vorderfront erweitert. Der hinzugezogene Architekt Otto Brückwald, Mitarbeiter Gottfried Sempers in Dresden und wenige Jahre später verantwortlich für die Architektur des Richard-Wagner-Festspielhauses, war nicht die einzige Achse zu Bayreuth. Richard Wagners Enkel Wieland inszenierte in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs am Landestheater Altenburg seinen ersten „Ring des Nibelungen“, mit Siegfried Wagners „An allem ist Hütchen schuld“ gastierte das Theater 1944 in Bayreuth.

Alte Schätze in den Archiven

Das bis in die Jahre nach der friedlichen Revolution selbstständige Altenburger Ensemble wurde 1995 mit dem 33 Kilometer entfernten Theater Gera fusioniert, der Personalstand der ehemals zwei Orchester, Ensembles und Gewerke auf unter die Hälfte verringert. Jetzt erhalten das Philharmonische Orchester Altenburg Gera und alle Sparten regelmäßig überregionale Aufmerksamkeit etwa mit der spartenübergreifenden Reihe „Wider das Vergessen“, Weltersteinspielungen der hebräischen Kammeropern „Saul in Ein Dor“ von Josef Tal und „Die Jugend Abrahams“ von Michail Gnessin oder Entdeckungen wie Hans Sommers „Rübezahl und der Sackpfeifer von Neisse“.

Chefdramaturg Felix Eckerle und Harald Müller (Theater der Zeit) sind die Herausgeber des liebevoll gestalteten und wissenschaftlich fundierten Aufsatz- und Bildbandes „150 Jahre Theater Altenburg“, der auch eine Chronologie sämtlicher Premieren seit der Theatereröffnung 1871 enthält. Bei Recherchen für das Jubiläum entdeckte man im Notenarchiv des Theaters Altenburg eine unbekannte frühe Partitur-Abschrift von Mozarts „Idomeneo“ in italienischer Sprache und Heinrich Marschners „Festspiel zur Hochzeit von Kronprinz Georg von Hannover mit Marie von Sachsen-Altenburg 20. Februar 1843“.

Das Theater Altenburg feiert sein 150. Jubiläum mit einer digitalen Gala

So schön die Lage des Baus zwischen Schlossgarten und der Innenstadt mit von der Vergangenheit Altenburgs kündenden Bauwerken aus allen Epochen auch ist, so standen doch die Bühnenjubiläen zumeist unter keinem besonders glücklichen Stern: Während der Eröffnung kämpfte ein Altenburger Bataillon im Deutsch-Französischen Krieg, die Feierlichkeiten zu den 50- und 75-jährigen Jubiläen fielen auf die Zeit kurz nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Und jetzt könnte das Jubiläum 150 Jahre auch ohne Pandemie nicht vor Ort stattfinden, denn das imponierende Neurenaissance-Theatergebäude wird derzeit saniert. Deshalb treten Schauspiel, Oper und das Thüringer Staatsballett in einem komfortablen Theaterzelt am Großen Teich auf. Also feiert das Haus in einer digitalen Gala mit Ausschnitten aus Musiktheater-Werken, die nach der Festaufführung von Webers „Der Freischütz“ am 16. April 1871 auf dem Spielplan standen, und einem Sketch darüber, wie dieser Spielplan des ersten Jahres mit sage und schreibe 74 Stücken entstanden sein könnte.

concerti-Tipp:

16. April 2021, ab 18 Uhr
Freistatt schöner Geister – Festveranstaltung 150 Jahre Theater Altenburg
Im Video-Stream auf Altenburg.tv, auf Youtube oder im Radio bei MDR Kultur

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