Bücherherbst – Eleonore Büning: Warum geht der Dirigent so oft zum Friseur?

Im klassischen Konzert schläft man am besten

Herbstzeit – Lesezeit. Die schönsten Bücher für die dunkle Jahreszeit, ausgewählt von der concerti-Redaktion. Teil 1: Eleonore Büning – Warum geht der Dirigent so oft zum Friseur?

© Thilo Braun

Eleonore Büning

Eleonore Büning

Wissen Sie, welches Instrument Beethoven als „Starkschwachtastenkasten“ bezeichnet hat? Welche Qualifikationen man vorweisen muss, um die Wagnerfestspiele in Bayreuth zu leiten? Oder warum das hohe D zwar höher ist als das hohe C, aber trotzdem weniger beeindruckt? Fragen über Fragen. In ihrer im Sommer 2015 ins Leben gerufenen Kolumne „Fragen Sie Eleonore Büning“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hat die preisgekrönte Musikjournalistin sie alle beantwortet. Dabei schreibt Büning mit gewohnt spitzer Feder gegen bestehende Vorurteile an, pflegt einen erfrischend satirischen Unterton und erlaubt sich abenteuerliche Gedankensprünge und Abschweifungen, die man ihr gerne verzeiht, weil sie von einer fundierten Kenntnis in etlichen Wissensbereichen zeugen.

Chaotisch-zielsichere Fragetreffübungen

Fast alle Themen wurden von Lesern gestellt, wobei die Autorin gern beherzt demontiert, was manche Frage stillschweigend voraussetzt: „Warum regen sich die Leute über neue Musik auf?“, möchte jemand wissen. „Mir persönlich fällt, außer mir selbst, eigentlich niemand ein, der sich noch über Musik aufregt“, antwortet die bissige Kritikerin Büning und konstatiert, dass es in den „Gettos für Avantgardefreaks in Donaueschingen oder in Witten an der Ruhr (…) inzwischen so friedlich und entspannt zugeht wie in einer Tasse Ingwertee.“ Büning weiß auch über die Musikalität von Vögeln Interessantes zu berichten, hinterfragt die (Un-)Sitte des weihnachtlichen Singens und empfiehlt gegen die dauerhafte Belästigung durch einen Ohrwurm, ihn einfach zwei bis drei anderen Personen vorzusingen. Auch die Rituale des Verbeugens auf der Bühne und des Applaudierens im Saal kommen in historischer Herleitung zur Sprache. „Darf ich im Konzert einschlafen?“, wird dieser originelle 58-Fragen-Katalog eingeleitet. Die Antwort: „Selbstverständlich. Wo sonst?“ Beim Lesen von Bünings zwei- bis dreiseitigen, chaotisch-zielsicheren Fragetreffübungen jedenfalls kommt keine Müdigkeit auf.

Buch-Tipp:

Warum geht der Dirigent so oft zum Friseur?

Eleonore Büning
Benevento, 224 Seiten
20 Euro

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