Mozart: Die Zauberflöte

KV 620 (UA Wien 1791)

Drei, durch Pausen getrennte, prachtvolle Akkorde: feierlich, ernst, strahlend – ein klassischer Anfang! Was klassisch heißt? Einheit und Vielfalt: Die Ouvertüre hat außen Sonatenform, innen läuft sie ab als Fuge. Ernst und Heiterkeit: Die Fuge ist eine weise Kunst und gehört zur Welt des Sarastro, das Fugenthema selbst ist lustig und gehört zur Welt des Papageno – die Orchestration ist meisterhaft und dabei so spaßig, dass ich als Kind beim ersten Hören in der Hamburgischen Staatsoper laut lachen musste.

Die lyrischen Arien von Pamina und Tamino, die dramatischen Arien der Königin der Nacht, die weihevollen Arien des Sarastro und die volkstümlichen Lieder des Papageno sind Inbegriff der klassischen (deutschen) Oper. Aus dem eingebildeten Prinz Tamino wird durch die ihm auferlegten Prüfungen ein geläuterter Mensch; der Naturbursche Papageno bleibt, was er ist: Ihm können die Weisheitslehren nichts anhaben – auch darin steckt Weisheit. Die Zauberflöte, Heiligtum und Posse zugleich, ist die meistgespielte Oper.

Der Dreiklang der Damen und der Knaben, eine Zauberflöte und ein Wunderglockenspiel – wir befinden uns im Reich der Musik! Wo sonst könnten Löwen mit Klängen gebändigt, Feuer und Wasser musizierend durchschritten werden?

Die Freimaurer, denen Schikaneder und Mozart angehörten, sind ein humanistischer Männerbund mit Grundsätzen aus Religion (Vergebung) und Aufklärung (Vernunft). Das Bild der Frau und der Umgang mit Fremden ist uneinheitlich. Zwar heißt es: Ein Weib tut wenig, plaudert viel“, aber auch: „Ein Weib, das Nacht und Tod nicht scheut, ist würdig und wird eingeweiht.“ Sarastros Bemerkung über Monostatos’ Hautfarbe sollte allerdings in der Versenkung verschwinden.

Besonders kostbar:

- Die Szene zwischen dem Sprecher und Tamino – der eine gelassen, der andere agressiv. Erst, als Tamino sich beruhigt hat, stellt er die richtigen Fragen und erhält von mystischen Chorstimmen Antwort.

- Die erste Begegnung von Sarastro und Pamina – auf Augenhöhe!

- Paminas todtraurige Arie – im Nachspiel schwemmen ihre Tränen den Takt hinweg.

- Der Chor der Priester vor Sonnenaufgang – wie schön klingen die Worte bald, bald ...

- Das Terzett zwischen Pamina, Tamino und Sarastro – meine Mutter, die Pianistin Adelheid Zur, liebte besonders die Stelle: Die Stunde schlägt, nun müßt ihr scheiden; sie drohte mir: „Wehe, du dirigierst das zu schnell!“

- Die Szene der drei Knaben mit Pamina – entzückender Wohllaut!

- Die Begegnung von Pamina und Tamino zur Feuer- und Wasserprobe – eine zarte und doch überwältigende Modulation vom dunklen As-Dur ins helle F-Dur, und zwei freie Menschen sagen: O welch ein Glück!

- Der feierlich langsame Marsch – die Gesichter des Flötisten und des Paukisten leuchten!

- Die schnelle letzte Verwandlung nach dem Höllensturz der Verschwörer: Die Strahlen der Sonne vertreiben die Nacht ...

- Die wunderbaren Harmonien zu den Worten des Chores: Dank, Dank – prachtvolle Akkorde wie zu Anfang: Der Sonnenkreis schließt sich!

(Mathias Husmann)

Illustration "Die Zauberflöte"

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