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Internationale Kammermusiktage Homburg 2023

Versuchslabor und Schmelztiegel abseits aller Hauptstraßen

Unter dem Motto „face à face“ halten die Internationalen Kammermusiktage Homburg mit sieben Konzerten der Seele einen Spiegel vor.

vonStefan Schickhaus,

„Man benutzt einen Spiegel, um sein Gesicht zu sehen; man benutzt Kunstwerke, um seine Seele zu sehen.“ – Diesen Satz von George Bernard Shaw zitiert das Vogler Quartett, um das Programm der diesjährigen Internationalen Kammermusiktage Homburg einzuordnen. Seit mehr als 20 Jahren hat diese Quartett-Formation, die sich noch zu DDR-Zeiten in Berlin gegründet hatte, eine zweite Heimat beim Verein „Kammermusikfreunde Saar-Pfalz“ und dessen Festival – das Vogler Quartett fungiert dort als künstlerischer Leiter. „Das Festival“, sagt der Quartett-Bratscher Stefan Fehlandt „ist so etwas wie die Basis unserer Konzertsaison. Wir suchen uns die Gäste aus mit der Frage: Was können wir gemeinsam aushecken?“ Die Bedingungen in Homburg, der drittgrößten Stadt des Saarlandes, seien einfach reizvoll: „Tolle Gegend, die Nähe zu Frankreich, das kulturelle Umfeld.“ Und so betrachten die vier Musiker die kompakten Kammermusiktage jeweils Ende September als „Versuchslabor, Schmelztiegel, abseits aller Hauptstraßen“.

Das Shaw-Zitat vom Kunstwerk als Spiegel der Seele wurde verknappt auf das Motto „face à face“ – entliehen dem Titel eines Werkes von Bruno Mantovani für vier Klarinetten, das im Eröffnungskonzert zu hören sein wird, gespielt von den vier Musikerinnen des spanisch-israelischen Liv Quartetts. Streichquartette von Haydn und Schubert spiegeln sich da mit Klarinetten-Quartetten von Mantovani und Françaix. Noch plastischer wird der Spiegel-Gedanke, wenn Nikolaus Friedrich und das Vogler Quartett sich Max Regers Klarinettenquintett widmen: „Das ist Musik am Ende einer Epoche, eines Lebens; transparent, abgeklärt, wehmütig und voller (Brahms-)Zitate, vornehmlich aus dessen Klarinettenquintett“, erklärt Stefan Fehlandt.

Ravel erklingt im Original und einer Jazz-Fassung

Zu Gast in der Festivalwoche wird unter anderem die Bratschistin Monika Henschel sein, Gründungsmitglied des Henschel Quartetts (und zudem Präsidentin des Verbandes deutscher Streichquartette VdSQ). Und Frank Dupree, der Pianist, dessen erste große Leidenschaft vor der Klavierlaufbahn das Jazz-Schlagzeug war. „Wie ein Kaleidoskop verschiedener Stile und Epochen wird der Abend mit dem Frank Dupree Trio wirken“, ist sich Bratscher Fehlandt sicher. „Ravel beispielsweise erklingt da original und in einer Jazz-Fassung.“ Dass die Grenzen zwischen Jazz und Klassik ohnehin fließend sind und beide sich auf Augenhöhe begegnen, ist für Frank Dupree eine ausgemachte Sache. „Für mich sind beide Welten gleich wichtig, sie haben sich auch in den letzten hundert Jahren immer wieder gegenseitig bereichert.“ Und sich gegenseitig gespiegelt, „face à face“ – um im Bild zu bleiben.

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