Mozart Festivals 2017

Amadeus, Amadeus

Der Name Mozart zündet immer. Kein Wunder, dass jene Städte, in denen der Komponist zu Lebzeiten verweilte, mit Festivals seiner gedenken

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MozartPortrait und Mozart-Kugeln

Mozart-Portrait und Mozart-Kugeln

Er war Superstar, er war populär, er war so exaltiert, because er hatte Flair“, rappte sich Mitte der 1980er Jahre der Wiener Pop-Provokateur Falco in die Radiosender auf der ganzen Welt. Doch nicht erst Falco mit Rock Me Amadeus oder Milos Formans Spielfilm Amadeus machten Mozart so populär. Seine „Vermarktung“ als reisendes Wunderkind stellte bereits die Weichen für ein Leben in der Öffentlichkeit, sein Genie und früher Tod trugen den Rest dazu bei. Mozarts Witwe Constanze verwaltete geschickt das Vermächtnis ihres Mannes, Mozarts Schwester Nannerl, die ihren Bruder um fast vierzig Jahre überlebte, stand lange als Zeitzeugin zur Verfügung. Asteroide, Minerale und sogar ein Gletscher tragen inzwischen seinen Namen.

Heute ist sein Name in aller Munde, als Synonym für klassische Musik überhaupt. Und so gut wie jeder verdient viel Geld mit ihm. Die Konzertveranstalter sowieso, der Buchhandel, die Tonträgerindustrie. Und der Fremdenverkehr sowie die Souvenirindustrie. Nach Schätzungen ist die Marke Mozart fünf Milliarden Euro wert. Kein anderer Künstler erreicht dies, kein Picasso, kein Van Gogh, kein Andy Warhol. Asiaten lieben Bierkrügerl, Stamperl, Häferl, Teller, Dosen, Schreib- und Spielwaren mit seinem Konterfei. Und natürlich die Mozartkugeln – die bekannteste kommerzielle Mozart-Devotionalie. Deutscher Marktführer ist hier Reber aus Bad Reichenhall. 500.000 Kugeln gehen hier pro Tag vom Band. Doch nicht nur Süßigkeiten stehen im oberbayerischen Kurort im Zeichen des Wiener Klassikers.

Mozart Festivals 2017: Bad Reichenhall

Berge, Seen, Wälder und die Soleluft des Gradierhauses im Kurgarten: Die Natur hat es gut mit Bad Reichenhall gemeint. „Mozart-Radweg“ haben die Bad Reichenhaller ihren beliebten, 400 Kilometer langen Weg genannt, der über den Saalachsee und die Salinenstraße am Alten Rathaus vorbei nach Salzburg führt.

Bad Reichenhaller Philharmonie im Kurpark

Bad Reichenhaller Philharmonie im Kurpark

Bad Reichenhaller Philharmonie im Kurpark © Bad Reichenhaller Philharmonie

Schließlich schienen Vater Mozart und Sohn auf ihren Italienreisen hier gerne Halt zu machen, vor den Toren Salzburgs, das zwanzig Kilometer entfernt liegt. Regelmäßig kehrten sie im Gasthof Kaitl an der Thumseestraße ein, wegen seines eingemachten Kalbfleischs oder des Märzenbiers. Auch die Stiftskirche St. Zeno zog das junge Genie an, wo seit dem Hochmittelalter die Augustiner-Chorherren den ein- und mehrstimmigen Chorgesang und das Orgelspiel pflegten. Am Karfreitag 1771 wohnten die Mozarts einer „Passionsopera“ bei. Das vermeldet die Chronik ebenso wie ein Tête- à-Tête des Filius mit der Reichenhaller Zöllnerstochter Marie Anna Hieber. 1783 kam Wolfgang dann wieder, diesmal mit seiner frisch angetrauten Gattin Constanze.

Zweihundert Jahre später nahm man Mozarts Ortsbesuche zum Anlass, die schwache Nebensaison im März zu beleben, und rief vor über zwanzig Jahren die Mozartwoche ins Leben. In diesem Jahr bietet die Bad Reichenhaller Philharmonie zusammen mit Solisten einen Streifzug durch Mozarts vielschichtiges Schaffen: von der Ouvertüre zur Entführung aus dem Serail über sein Requiem bis hin zum Krönungskonzert und der Jupitersinfonie. Dazu Werke von Haydn, Gluck, Beethoven und Händel.

Mozart Festivals 2017 in Augsburg

Mozarthaus Augsburg

Mozarthaus Augsburg

Mozarthaus Augsburg © Regio Augsburg Tourismus GmbH

Von Bad Reichenhall sind es fast 200 Kilometer bis nach Augsburg, der Stadt, die sich wirklich Mozartstadt nennen darf – und zwar nicht nur, weil hier täglich vom Perlachturm neben dem Rathaus Mozart-Melodien erklingen. Überall kann man in Augsburg auf den Spuren des Komponisten wandeln, angefangen beim Geburtshaus seines Vaters Leopold in der Frauentorstraße nahe am Dom, wo viele der Mozarts getauft wurden. Mehrfach waren Vater und Sohn in Augsburg, logierten im ehemaligen Hotel „Zum Weißen Lamm“ in der Ludwigstraße, nachdem ihnen das Hotel „Drei Mohren“ zu teuer wurde. An den prunkvollen Orgeln der Barfüßerkirche, der Basilika St. Ulrich und im Kloster Heilig Kreuz hat Wolfgang musiziert, in den Fuggerhäusern 1777 ein öffentliches Konzert abgehalten und nebenbei in der „Vatterstadt meines Papa“ auch Gefallen an seinem hübschen „Bäsle“ Anna Maria Thekla Mozart gefunden, was in den „Bäsle-Briefen“ deftig dokumentiert ist.

1951 wurde in Augsburg die „Deutsche Mozart- Gesellschaft“ gegründet, als Zusammenschluss aller deutschen Mozart-Gemeinden. Sie widmet sich der Mozartforschung und richtet jährlich im Mai das „Deutsche Mozart-Fest“ aus. Auch 2017 werden sich hier in der zweiten Mai-Hälfte bekannte Mozartinterpreten in offenen Proben, Workshops und Gesprächskonzerten versammeln: unter anderen Reinhard Goebel und Steven Isserlis. Nuria Rial gibt ein Konzert im Goldenen Saal, wo Leopold Mozart einst unterrichtete, und einen Meisterkurs. Sybilla Rubens singt im Schaetzlerpalais, wo einst Marie Antoinette tanzte, die Tochter Maria Theresias.

2011 tauchte in Augsburg plötzlich ein Pianist aus Hamburg auf, der eine Konkurrenzveranstaltung zum „Mozart-Fest“ aufzog: „Mozart@Augsburg“ nennt Sebastian Knauer sein Festival, das von privater Seite finanziert wird. Leicht hat man es dem Hanseaten nicht gemacht. Die Stiftung „Deutsche Mozartstadt Augsburg“ gab ein Gutachten in Auftrag, das empfahl, das Marketing aller Mozartprojekte zu bündeln. Ein Mozartbüro wurde gegründet, als zentrale Anlaufstelle für alle Mozartakteure in Augsburg. Dazu wird Knauer bisher offenbar nicht gezählt, noch findet „Mozart@Augsburg“ nicht auf der Website der Mozartstadt statt, trotz seines hochwertigen Programms: ein Sonderkonzert am 13. Mai mit Mozarts Requiem und dem Symphonieorchester des BR unter Mariss Jansons sowie zwölf Konzerte im September mit illustren Musikern wie Jan Vogler, Martin Stadtfeld, Quatuor Ebène, Renaud Capuçon und anderen.

Deutschland ältestes Mozartfest – Würzburg

Merchandising-Tasche des Mozartfests Würzburg

Merchandising-Tasche des Mozartfests Würzburg

Merchandising-Tasche des Mozartfests Würzburg © Mozartfest Würzburg

„Liebstes bestes Herzens-Weibchen!“, schrieb Mozart 1790 an Constanze: „Zu Würzburg haben wir unsern theuern Magen mit Kaffee gestärkt, eine schöne prächtige Stadt.“ Seit 1922 findet das Mozartfest in der fürstbischöflichen Barockstadtstatt. 60 Veranstaltungen sind diesmal geplant: Oper, Orchester- und Kammerkonzerte im Kaisersaal der Würzburger Residenz und UNESCO- Weltkulturerbe, Open-Air-Konzerte im illuminierten Hofgarten. Konzerte im Käppele, im Kiliansdom, in der Kelterhalle des Bürgerspitals oder im postindustriellen Ambiente einer ehemaligen Druckhalle. Mit dem „Mozart- Labor“ geht das Mozartfest Würzburg neue Wege. Etablierte Künstler und Geistesgrößen werden mit jungen Stipendiaten verschiedener Disziplinen an drei Tagen im Exerzitienhaus des Klosters Himmelspforten einquartiert, um zu musizieren, diskutieren und zu experimentieren in Lecture-Konzerten, offenen Proben oder Multimedia-Projekten. Dies alles unter dem interessanten Motto: „Mozart 36 – Was ist Reife?“. „Artiste étoile“ von 2017 ist Christiane Karg, der musikalische Bogen reicht von Mozarts Don Giovanni bis zum Requiem, vom A-cappella-Gesang der Renaissance bis zu Hits der Popmusik. Wolfgang Rihm ist das Komponistenporträt gewidmet.

Ein Dorf mit drei Kirchen für Mozart – Mozart Festivals 2017 in Schwetzingen

„Es ist nur ein Dorf, hat aber drei Kirchen“, schwärmte Leopold Mozart bei seiner Ankunft in der schönen Stadt nahe Heidelberg. Und: „Meine Kinder haben ganz Schwetzingen in Bewegung gesetzet: und die Churf. Herrschaften hatten ein unbeschreiblich vergnügen, und alles geriet in verwunderung“, nach dem Auftritt von Wolfgang und Nannerl am 18. Juli 1763 vor dem kurpfälzischen Hof in Schloss Schwetzingen. Die Mozarts wohnten jedoch nicht im Schloss, sondern im Gasthof „Zum Roten Haus“ in der damaligen Speyerer Straße, heute Dreikönigstraße 6. Nur wenige Jahre vor den Mozarts waren auch Schiller und Voltaire nach Schwetzingen gekommen, um sich vom Theater im klassizistischen Stil und seiner prächtigen Gartenlage, die als eine der schönsten Europas gilt, inspirieren zu lassen. Dennoch steht auch im kommenden September der Wunderknabe aus Salzburg im Mittelpunkt, wenn Schwetzingen wieder sein „Mozart-Fest“ feiert.

© Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Südlicher Zirkelbau von Schloss Schwetzingen

Südlicher Zirkelbau von Schloss Schwetzingen © Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Die Mozart Festivals 2017 in der Übersicht

Bad Reichenhaller Mozartwoche
11. – 18.3.2017
Mit: Bad Reichenhaller Philharmonie, Quartetto di sale, Oliver Triendl u. a.
Ort: Bad Reichenhall

Mozartfest Augsburg
19. – 28.5.2017
Mit: Nuria Rial, Nils Mönkemeyer, Christina Pluhar, Steven Isserlis u. a.
Ort: Augsburg

Mozartfest Würzburg
2.6. – 2.7.2017
Mit: Christiane Karg, Isabelle Faust, Andreas Staier, Jörg Widmann u. a.
Ort: Würzburg

mozart@augsburg
1. – 15.9.2017
Mit: Sebastian Knauer, Jan Vogler, Martin Stadtfeld, Renaud Capuçon u. a.
Ort: Augsburg

Schwetzinger Mozartfest
22.9. – 8.10.2017
Mit: Maximilian Hornung, Leipziger Streichquartett, Aron Quartett, Staatsorchester Rheinische Philharmonie u. a.
Ort: Schwetzingen

Mozartfest Würzburg: Opern Air-Konzert im Hofgarten der Residenz

Mozartfest Würzburg

24. Mai bis 23. Juni 2019

Das Mozartfest Würzburg findet seit 1921 jedes Jahr im Frühsommer in der Barockstadt am Main statt und zieht jährlich rund 25.000 Besucher an. weiter

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Eine Antwort zu “Amadeus, Amadeus”

  1. Angeli Harless sagt:

    Und hier noch ein Geheimtipp zu Mozart: Der Pianist Jürgen Plich spielt in diesem Jahr drei Mal den kompletten Mozart-Klaviersonaten-Zyklus. In je sechs Gesprächskonzerten in München (Schloss Nymphenburg), Gossau (Kanton St. Gallen, Schweiz) und Kufstein (Tirol) präsentiert er die achtzehn Meisterwerke, um die viele Pianisten lieber einen Bogen machen. „Der Mozartversteher“ – so die Rheinische Post – wählt dafür teils außergewöhnliche historische Instrumente, und zwar bewusst solche, die Mozart in eher romantisch gefärbtem Licht erscheinen lassen: In Kufstein erklingt ein Broadwood-Flügel von 1896, in München – und das ist eine klavierbauerische Sensation! – ein frisch und originalgetreu restaurierter oberschlägiger Stöcker-Konzertflügel aus den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts. Nähere Informationen: http://www.klavierspielkunst.de und http://www.mozartsonaten.de

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