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Festival „vielsaitig“ Füssen 2022

Wo die Streicher die Alpengipfel umspielen

Das Festival vielsaitig knüpft an die historische Lauten- und Geigenbaukunst in Füssen an.

vonSören Ingwersen,

Nach guten Argumenten für eine Reise nach Füssen im Allgäu muss man nicht lange suchen. Wo sich die Romantische Straße, die Deutsche Alpenstraße und die Via Claudia Augusta treffen, locken eine zauberhafte Altstadt, Alpengipfel, malerische Seen, und auch die Schlösser Neuschwanstein und ­Hohenschwangau sind nur einen Katzensprung entfernt. Dass die Stadt Füssen zugleich als Wiege des Lauten- und Geigenbaus gilt, ist weniger bekannt. Das Kammermusikfestival „vielsaitig“ im Kaisersaal des Barockklosters St. Mang ist also gut verankert im historischen Erbe der Stadt und bietet unter der neuen künstlerischen Leitung des Pianisten Matthias Kirschnereit mit neun Konzerten auch in diesem Jahr wieder Anknüpfungspunkte für unterschiedliche musikalische Vorlieben. So wird das junge, erst vor wenigen Jahren in Berlin gegründete Leonkoro Quartett gleich zur Eröffnung mit Haydn, Brahms und Ravel an der Erweiterung der „Horizonte“ mitwirken, die das Festival sich in diesem Jahr als Motto auf die Fahne geschrieben hat. Streichquartettkunst vom Feinsten verspricht auch das ebenfalls noch junge Aris Quartett. Als „Boyband der Klassik“ überwinden die Hanke Brothers mit Tuba, Klavier, Bratsche, Blockflöte, Percussion und großer Spiellust alle Genregrenzen.

Klangdimensionen erweitern

Zu einer „Füssener Schubertiade“ laden Geigerin Lena Neudauer, Cellist Julian Steckel und Pianist Matthias Kirschnereit, während auch die Schüler ihrer Meisterkurse in eigenen Konzerten zu erleben sind. Flötist Maurice Steger und Lautenist Daniele Caminiti erkunden das barocke Italien, und das Carion Quintett lebt sein Temperament an fünf Blasinstrumenten aus – und das grundsätzlich in freier Darbietungsform ohne Stühle und Notenständer. Dass Jazz auch melodisch sein darf, davon zeugt das Tingvall Trio, und zum Abschluss gibt das Württembergische Kammer­orchester Heilbronn seinen Festivaleinstand, indem es die gewöhnlichen Klangdimensionen eines Kammermusikfests großzügig erweitert. Wer sich für den traditionellen Instrumentenbau in Füssen interessiert, findet sich beim „Treffpunkt Geigenbau“ ein – oder lauscht einem Vortrag über „Simpert Niggel – Ein Füssener Geigenbauer von internationalem Ruf“, bei dem auch Klangproben gegeben werden. 

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