Kurz gefragt: Désirée Nosbusch

„Mitnehmen würde ich nur Bach und eine Pinzette“

In diesem Jahr moderiert Désirée Nosbusch erstmals die Verleihung des OPUS Klassik im Konzerthaus Berlin. Die Schauspielerin über ...

© ZDF/Frank Zauritz

Désirée Nosbusch

Désirée Nosbusch

… Musiksendungen im ZDF

Désirée Nosbusch: Ich bekam letztes Jahr nach acht Monaten Lockdown die Einladung, als Laudatorin zum OPUS Klassik zu kommen. Gerade zu dem Zeitpunkt war es ein magischer Abend, weil wir alle aus dem Zustand kamen, der uns als systemunrelevant abstempelte. Das hat gut getan. Dann kam die Anfrage, ob ich die Moderation ab diesem Jahr übernehmen wolle. Ich habe meine ersten Fernsehschritte 1979 mit dem „ZDF-Sommergarten“ gemacht, dann kam „Hits von der Schulbank“, später „Music-Box“. Anschließend wurde mir nahegelegt, mich von der Moderation zu verabschieden, um als Schauspielerin ernst genommen zu werden. Dass ich nun wieder beides machen kann, ist großartig.

… Kenntnisse in der klassischen Musik

Nosbusch: Wissen Sie, was ich gemacht habe? Ich habe Cornelius Meister angerufen und ihm gesagt, dass ich nervös sei und von vornherein klarstellen muss, dass ich absolut nicht vom Fach bin. Er meinte daraufhin nur knapp, Frau Nosbusch, Sie sind genau, was wir uns wünschen. Jemand, der sich vorbereitet und der die Liebe zur Sache ausstrahlt. Er wünsche sich eine Symbiose zwischen Moderation, Orchester und Künstlern. Es solle ein gemeinsamer Abend sein und keiner, bei dem jemand vorne steht und nur Nummern ansagt. Stattdessen wolle er gemeinsam mit mir versuchen, auch denjenigen die Klassik näher zu bringen, die vielleicht genauso wie ich nicht trittfest sind. Als er mir das erzählte, wusste ich, dass ich die Richtige bin.

… Konzertbesuche

Nosbusch: Ich habe kein Abonnement und gehe auch nicht dreimal die Woche ins Konzert, da wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen (lacht). Allerdings war ich wirklich oft in der Hollywood Bowl beim Los Angeles Philharmonic. Ich bin mit Pop- und Rockmusik aufgewachsen und hätte die Beatles nicht links liegen gelassen, um dafür nur Bach zu hören. Mein Sohn heißt Lennon. Sie verstehen, was ich meine? Meine Tochter hat wirklich Glück, dass sie nicht Dylan heißt (lacht). Wenn ich mit ihnen zusammen bin, geht es viel um Musik. Ich bin dann die, die sich mit Jacques Brel aus der Ecke wagt – oder mit Maria Callas, die ich sehr verehre.

© ZDF/Urban Zintel

Désirée Nosbusch

Désirée Nosbusch

… ihre Begegnung mit Leonard Bernstein

Nosbusch: Ich bin mit Alexander Bernstein, dem Sohn des großen Leonard Bernstein auf die Schauspielschule gegangen. Seine Familie lebte damals im Dakota Building in New York unterhalb von John Lennon. Der enge Freundeskreis von Alexander wurde oft zur berühmten Macy’s Thanksgiving Day Parade eingeladen, sein Vater war auch dabei. Dieser Mann hatte eine Aura, das können Sie sich nicht vorstellen! Irgendwann setzte er sich ans Klavier. Als ich später ein paar Takte spielte, ging er raus und kam nach wenigen Minuten wieder. Er hatte mir ein paar Noten von Chopin auf ein Ei gemalt. Auf ein rohes Ei! Ich habe es dann wie den heiligen Gral mit nach Hause genommen.

… ihren Lieblingskomponisten

Nosbusch: Wenn ich mich für den einen Komponisten entscheiden müsste, wäre das Johann ­Sebastian Bach, keine Frage. Ohne die „Matthäus-Passion“ und das „Wohltemperierte Klavier“ geht es nicht! Wenn ich auf eine einsame Insel nur einen klassischen Komponisten mitnehmen dürfte, dann wäre es Bach. Aber ich bräuchte auch noch eine Pinzette.

concerti-Tipp:

Opus Klassik
So. 10.10.21, 22:15 Uhr
ZDF

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